Mitte des 19. Jahrhunderts war der Luchs in Bayern vollständig verschwunden. Ausgehend von 17 genehmigten Freilassungen zwischen 1982 und 1987 im Bereich des heutigen Nationalparks Sumava besiedelt der Luchs heute wieder das bayerisch-böhmische Grenzgebiet. Die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Böhmerwald stellen aktuell den Kernlebensraum und das Zentrum der Verbreitung des Luchses dar.
Obwohl der Luchs eine hohe Akzeptanz in breiten Bevölkerungsschichten genießt, birgt die Rückkehr dieses Großraubtieres auch Konfliktpotenzial. Denn wir wissen sehr gut, was ein einzelner Luchs erbeutet, aber über seinen Einfluss auf die Reh- und Rothirschpopulation ist bislang sehr wenig bekannt. Auch zur Frage, welche Auswirkungen der Luchs auf die Jagdausübung von uns Menschen hat, liegen widersprüchliche Erfahrungen vor.
Während sich die Argumentation der beteiligten Interessengruppen in vielen Fällen auf Einzelbeobachtungen und Vermutungen stützt, gibt es bislang kaum fundierte Erkenntnisse über den Einfluss des Luchses auf seine Beutetiere. Die Räuber-Beute-Beziehungen zwischen Luchs, Reh und Rothirsch sind jedoch von zentraler Bedeutung für die Akzeptanz des Luchses und damit den Fortbestand der ostbayerisch-böhmischen Population.
Vorrangiges Ziel unseres Projektes ist es, mit Hilfe tierschutzgerechter modernster Kommunikationstechnologie präzise, störungsfrei und zeitnah Daten zur Raumnutzung des Luchses und zur Beziehung zwischen dem Räuber Luchs und seinen großen Beutetieren Reh und Rothirsch in einem großräumigen und der natürlichen Entwicklung überlassenen Bergwaldökosystem zu erheben.