Wie fangen wir Luchse?

Luchse können auf verschiedene Arten gefangen werden.

Die eleganteste Fangart ist uns im März 2005 gelungen, als sich der Kater Milan im Luchsgehege des Nationalparks selbst gefangen hat. Er war während der Paarungszeit eines Nachts in das Gehege gesprungen, vermutlich um dem dort ansässigen Weibchen einen Besuch abzustatten. Nach der Betäubung mit einem Blasrohr konnte er am 07.03.2005 mit einem GPS-GSM Sender ausgestattet werden.

Im Nationalpark Bayerischen Wald sollen weitere Luchse mit sogenannten Schlingenfallen gefangen werden. Bei dieser von KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) entwickelten Technik macht man sich zunutze, dass ein Luchs i.d.R. bis zu sieben Tage an einem Riss frisst. Sobald ein Luchsriss gefunden wird, rückt das Forscherteam aus, um bis zu vier Schlingenfallen rund um den Riss zu positionieren. Die Fallen müssen mit Blättern und Zweigen gut getarnt werden und der Zugang zu dem Beutetier muss so eingeengt werden, dass der Luchs möglichst nicht um die Fallen herum laufen kann.  Ist ein Luchs in die Falle getreten, kann er aus einigen Metern Distanz mit einem Blasrohr betäubt, auf seinen Gesundheitszustand (Gewicht, Zähne, Fell) untersucht und besendert werden.

So wurde auch Milan nach acht Monaten wieder gefangen, um seinen Halsbandsender auszutauschen. Besonders erfreulich war, dass sich der Kater eines sehr guten Gesundheitszustandes erfreute: er war gut genährt, sein Fell glänzend und sein Hals vom Halsband nicht wund gescheuert. Der Sender behindert ihn offenbar nicht bei seinen Streifzügen und Beutegriffen.

Seit Ende 2006 wird auch mit Holzkastenfallen in den Nationalparken gefangen. Diese sind 2,5 m lang und 1mx1m hoch. Als Auslösemechanismus wurde ein Stolperdraht gewählt. Die Fallen werden an von Luchsen häufig genutzten Stellen aufgestellt und die erste Zeit nicht fängisch gestellt, damit die Tiere sich daran gewöhnen können. Bei der Holzverkleidung wurde darauf geachtet, dass im Innenraum keinerlei Verletzungsmöglichkeit besteht. Ritzen, in denen der Luchs mit Zähnen und Krallen einhaken und sie sich verletzen könnte, wurden verschlossen. Außerdem ist die Innenverkleidung glattwandig, um Schürfwunden zu verhindern. Durch diese Maßnahmen sind die Fallen gleichzeitig abgedunkelt, was die Tiere schnell beruhigt. Dreimal waren wir im Jahr 2007 bereits erfolgreich - Patrik, Nero und Nora wurden in Holzkastenfallen gefangen. Alle drei saßen ruhig in der Falle und hatten keinerlei Verletzungen.


Schlingenfalle
Der Aufbau erfolgt nach dem Prinzip vom schweizerischen Projekt KORA.

Fallentest 1
Luchsforscherin Anja Stache beim Fallentest. Mit der Hand übt Anja Druck auf das Holzbrett aus.

Fallentest 2
Die Falle schnappt zu und die Schlinge zieht sich um das Handgelenk. Weh tut es nicht.

Schlingenfallen (Erklärungen von Dr. Marco Heurich) (0:37 min)

Luchskater Milan kurz nach der Besenderung mit dem GPS-GSM Halsband.