Im Oktober 2007 startete die Nationalparkverwaltung das Projekt „Rothirsch auf neuen Wegen“. Dessen Ziel ist der ergebnisoffene, konsensorientierte Dialog mit den Nachbarn des Nationalparks zum zukünftigen Umgang mit dem Rotwild im Bayerischen Wald. Ein solcher Austausch über die Grenzen von Schutzgebiet, Jagdrevieren und auch Staaten hinweg ist dringend notwendig angesichts des großflächigen Lebensraumanspruchs der Tiere. Inhalt der Gespräche sollte die Frage sein, wie sich die Abstimmung untereinander verbessern lässt, welche Einflüsse auf das Rotwildmanagement in den nächsten Jahren u. U. einwirken (Wildnisgebiet, Rückkehr des Wolfes) und wie ein Umgang mit den Rothirschen nach dem Prinzip „Natur Natur sein lassen“ (Stichwort: Auflösung der Wintergatter) zu ermöglichen wäre.
Als zentrales Element des bis 2010 veranschlagten Kommunikationsprozesses war die Einrichtung einer Arbeitsgruppe vorgesehen. Nach Beschluss des Jagdbeirates der Regierung von Niederbayern vom März letzten Jahres sollte sich dieses Gremium aus je vier Vertretern von Land-/Forstwirtschaft, Jagd und Naturschutz sowie je einem Vertreter des Amts für Landwirtschaft und Forsten Regen und der Bayerischen Staatsforsten zusammensetzen. Der Nationalparkverwaltung wäre lediglich moderierende und geschäftsführende Funktion zugekommen.
Nachdem Anfang März bereits zwölf der vierzehn Delegiertenplätze besetzt waren, erklärten die Vertreter der staatlichen Stellen, des Bereiches Land- und Forstwirtschaft sowie die Vertreter der Jägerschaft (mit Ausnahme der Wolfsteiner Jäger) den Boykott der „AG Rothirsch“, obwohl zugleich Gesprächsbedarf bestätigt wurde. Angesichts der Ablehnung der unterzeichnenden Verbändevertreter hielten auch Landwirtschafts- und Umweltministerium ein Festhalten an der Einrichtung eines runden Tisches für nicht Erfolg versprechend. Als Konsequenz hieraus wird nun die Höhere Jagdbehörde an der Regierung von Niederbayern ein Konzept für den künftigen Umgang mit dem Rotwild im Bayerischen Wald erarbeiten.
Für das Projekt „Rothirsch auf neuen Wegen“ geht damit die Möglichkeit verloren, sich vor Ort im Zusammenspiel und Konsens aller Beteiligten an diese Aufgabe zu machen. Die Nationalparkverwaltung wird im Weiteren die entstandenen Kontakte zu den Hirschinteressierten jeglicher Couleur nicht abreißen lassen, die Regierung bei ihrem Vorhaben konstruktiv unterstützen - z.B. hinsichtlich Informationsaustausches mit den tschechischen Kollegen - und weiterhin auf die Notwendigkeit großflächig abgestimmter Leitlinien für den Umgang mit den Waidler-Hirschen hinweisen.
(Bild: Pöhnl)