Fotofallen

Die Fellzeichnungen von Raubkatzen sind wie ein ganz persönlicher Fingerabdruck. Durch den Vergleich von Größe, Form und Anordnung der Flecken ist es möglich Luchse individuell zu bestimmen und wieder zu erkennen. Wünschenswert sind dafür qualitativ hochwertige Bilder von jeder Seite des Tieres, die auch zukünftig für präzise Vergleiche herangezogen werden können. Um dieses Ziel zu erreichen wurden im Gesamtgebiet des Nationalparks nach einem Rastervorbild (2,7 x 2,7 km) der Schweiz ca. 30 Fallenstandorte systematisch ausgewählt.

Pro Fotofallenstandort stehen sich jeweils zwei Wildkameras gegenüber. Ein Bewegungsmelder mit Wärmesensor sorgt auf „Luchshöhe“ für das Auslösen der Wildkameras. Zur Auswahl der Standorte sind fundierte Kenntnisse des Geländes und der Lebensweise der Luchse nötig. Erfahrungen aus jahrelanger Feldarbeit im Nationalpark haben gezeigt, dass die Raubkatzen bestimmte Routen bevorzugen. An diesen Wegen wurden Stellen ausgewählt an denen die Wahrscheinlichkeit eines dieser scheuen Tiere fotografieren zu können besonders hoch ist, beispielsweise ein quer liegender Baumstamm über einen Flusslauf. Außerdem müssen Luchse in der schneereichen Jahreszeit mit ihrer wertvollen Energie haushalten. Also ist es für die Raubkatzen von Vorteil einen schon begangenen, sozusagen „gespurten“ Weg zu benutzen, um nicht unnötig Kraft zu verlieren. Winterwanderwege, Loipen und auch Waldstrassen erfüllen diese Vorraussetzungen.

Seit Anfang Dezember sind die Fotofallen in Betrieb. Regelmäßig werden die Kameras hinsichtlich Batterielaufzeit und Funktionstüchtigkeit geprüft sowie die Bilddaten ausgelesen. Es ist bereits gelungen fünf adulte Luchsindividuen auf Nationalparkgebiet zu fotografieren. Darunter alte Bekannte wie die besenderten Männchen (Kuder) Milan und Patrik und auch das mit Sende-Halsband ausgestattete Luchsweibchen (Katze) Nora. Außerdem durchstreifen noch zwei weitere Katzen, Felis und Nora, das Gebiet. Neben den „Pinselohren“ werden auch andere Wildtiere sowie der eine oder andere Winterwanderer bis Kniehöhe fotografiert. So entstanden schon Bilder von Rothirschen über Rehe, Füchse, Wildschweine, Marder, Hasen und Eichhörnchen bis hin zur Maus.

Das Fotofallenmonitoring ist neben der Telemetrie ein wichtiger Baustein der Luchsforschung im Nationalpark Bayerischer Wald. Mit Hilfe der Fotografien ist es über statistische Hochrechnung möglich die Luchsdichte auf der Nationalparkfläche zu bestimmen.

Im nächsten Schritt ist geplant, auch im Nationalpark Šumava die Methode des Fotofallen-Monitorings anzuwenden.  So könnte die Luchsdichte im Kerngebiet des Vorkommens in der bayerisch-tschechischen Grenzregion bestimmt werden.


Standorte der Fotofallen im Nationalpark Bayerischer Wald
(Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.)

Fotofalle
52 Fotofallen wurden im Nationalparkgebiet aufgestellt.

Luchs an Fotofalle
Fotokameras werden auf zwei Seiten des Wechsels aufgestellt, um die Tiere beidseitig ablichten zu können.