Projektziele

Das Projekt zur Erforschung der Räuber-Beute-Beziehung zwischen Luchs, Reh und Rothirsch wurde in die folgenden fünf Komplexe unterteilt.

I. Bedeutung des Luchses für die Populationsdynamik von Reh und Rothirsch

Im Nationalpark sollen die Anzahl sowie die Reproduktions- und Mortalitätsraten von Luchsen, Rehen und Rothirschen, und bei letzteren zusätzlich die Mortalitätsursachen bestimmt werden. Aus diesen Grunddaten soll die Bedeutung des Luchses für die Populationsdynamik von Reh und Rothirsch abgeleitet werden.

II. Steuergrößen der Raumnutzung von Luchs, Reh und Rothirsch

Unter Berücksichtung unterschiedlicher Faktoren sollen Aktionsraum- und Habitatanalysen durchgeführt werden, um die beeinflussenden Parameter der Raumnutzung ableiten zu können. Unter anderem sollen die Faktoren Nahrungsverfügbarkeit, Schneelage, touristische Infrastruktur, Besiedlung und Wildtierregulierung untersucht werden.

III. Beutespektrum des Luchses

Zur Bearbeitung dieses Themenkomplexes sollen zufällig gefundene Risse, Riss-Serien sowie Luchslosung analysiert werden. Ziel ist es Aussagen über die Nahrungs-zusammensetzung des Beutegreifers zu machen und zu klären, ob er seine Beutetiere nach Tierart, Alter, Geschlecht oder Kondition selektiert.

IV. Einfluss des Luchses auf das Verhalten seiner Beutetiere

Anhand der Parameter Aktionsradius, Zeitbudget, Aktivitätsrhythmik und Lebensraumnutzung soll das Verhalten von Luchs, Reh und Rothirsch untersucht werden. Durch Vergleich von früheren Telemetriedaten, als der Luchs noch nicht im Gebiet vorhanden war, und den aktuellen soll überprüft werden, ob eine Änderung des Verhaltens der Beutetiere festzustellen ist. Des Weiteren soll getestet werden, ob die Anwesenheit eines Luchses bzw. ein Luchsriss Auswirkungen auf das Verhalten der Beutetiere hat.

V. Wechselwirkungen zwischen Reh, Rothirsch und Waldvegetation

Hierfür ist es zunächst wichtig die Nahrungszusammensetzung von Reh und Rothirsch anhand von Losungsanalysen festzustellen. In Verschneidung mit der Analyse der Daten aus Waldinventur, Dauerbeobachtungsflächen und Vegetationsgutachten sollen Aussagen bezüglich Selektion der Nahrungspflanzen, räumliche Verteilung des Verbisses auf Landschafts- und Bestandesebene sowie der Auswirkung des Verbisses auf die Waldentwicklung gemacht werden. Weiterhin soll festgestellt werden, wie vielen Rehen und Rothirschen der Nationalpark Bayerischer Wald potenziell Lebensraum bietet und ob großflächige Störungen, wie Windwurf und Borkenkäferkalamitäten, Einfluss auf die Populationsentwicklung haben.


Dr. Marco Heurich, Projektleiter (2:47 min)