Die Halsbandsender sind mit zwei zueinander rechtwinklig versetzten Halbleiter-Beschleunigungssensoren ausgestattet, die auf die Bewegungen des Halsbandes und damit des Tieres reagieren. Dabei wird jeweils ein x- und ein y-Wert für Bewegungen in horizontaler bzw. vertikaler Richtung aufgezeichnet. Die Beschleunigung wird kontinuierlich 6-8 mal pro Sekunde gemessen. Diese Messwerte werden über einen Zeitraum von 5 Minuten akkumuliert und gemittelt. Die Mittelwerte werden auf dem Halsband gespeichert und nach dessen Wiedererhalt ausgelesen.
Mit den Daten können Aktivitätsrhythmen abgebildet und ausgewertet werden. Es ist also möglich Aussagen darüber zumachen, zu welchen Tageszeiten ein Tier aktiv bzw. inaktiv war.
Die Abbildung "Tagesaktivität Milan ohne Riss" zeigt das Verhalten von dem Luchskater Milan am 17.04.2005. Er hatte keinen Riss und musste somit jagen. Der Luchs war den ganzen Tag immer wieder aktiv. Auf der Suche nach einem Beutetier pirschte er durch sein Streifgebiet. Besonders in der zweiten Nachthälfte von 0:00 bis 7:00 Uhr war Milan fast ununterbrochen auf den Beinen. Tagsüber wechselten Aktivitätsphasen mit kurzen Ruhephasen, wobei er zwischen 18:40 und 22:10 Uhr eine längere Ruhephase hatte.
Völlig anders verhält sich Milan dagegen an Tagen, an denen er einen Riss hat, wie z. B. am 21.04.2005 als er einen Rehbock gerissen hatte (Abbildung "Tagesaktivität Milan am Riss"). Mit einem vollen Bauch kann er es sich leisten, fast den ganzen Tag auszuruhen. Nur zwischen 14:00 und 19:50 Uhr war er aktiv und hat wahrscheinlich an seinem Beutetier gefressen.
Um noch genauerer Angaben über die Verhaltensweisen der Tiere machen zu können, wurden weitere Untersuchungen mit den Halsbändern durchgeführt. Dabei kamen wir zu dem Ergebnis, dass es möglich ist den Aktivitätsdaten sogar ein bestimmtes Verhalten zuzuordnen. Man kann an den Werten also erkennen, ob ein Tier beispielsweise gelaufen ist, geruht oder gefressen hat. Diese Einteilung der Aktivitätsdaten in bestimmte Verhaltensweisen ist für die drei Tierarten Luchs, Reh und Rothirsch möglich. Wobei nur der Rothirsch ausreichend lange eine Verhaltensweise zeigt, so dass die 5 Minuten Intervalle ziemlich genau sein tatsächliches Verhalten widerspiegeln. Bei Luchs und Reh gestaltet sich die Bestimmung der tatsächlich gezeigten Verhaltensweise schwierig. Beide Tierarten wechseln das Verhalten innerhalb der fünf Minutenintervalle, was zu so genannten Mischintervallen führt. Dies bedeutet, dass z. B. der Luchs, während er läuft immer mal wieder stehen bleibt, sich 1 min hinlegt dann wieder aufsteht und weiterläuft.
Dadurch ist es nun möglich weitere bisher unbeantwortete Fragestellungen zu bearbeiten, um somit die Fragen, wie zum Beispiel, wie lange frisst ein Reh am Tag, wie lange ruht ein Luchs, was macht der Rothirsch wann und wo, beantworten zu können.