Newsarchiv April bis Oktober 2007

Fotofallenworkshop mit Fridolin Zimmermann von KORA (Schweiz)

Vom 25. bis 27. September fand ein Workshop zum Thema Fotofallenmonitoring beim Luchs statt. Fridolin Zimmermann, der in der Schweiz (KORA) für diese Art Monitoring Zuständige, gab am Dienstag einen Einblick in die Theorie der Datenaufnahme und –auswertungen. Der nächste Tag wurde genutzt, um sich im Rachel-Lusen-Gebiet geeignete Standorte für Fotofallen anzusehen. Diese wurden vorher auf Grundlage der Abspüraktionsdaten und Karten ausgewählt und dann mit Ortskundigen, wie z.B. Rainer Simonis oder Karl-Heinz Matschina, vor Ort besichtigt und diskutiert.

Derzeit wird die von Manfred Hartl und Stefan Vießmann (beide Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald) entwickelte und speziell an die Bedürfnisse eines Luchsmonitorings angepasste digitale Videofalle von Fridolin Zimmermann in der Schweiz getestet. Spezielles Augenmerk liegt hierbei auf Auslösezeit, Bildausschnitt und dessen Ausleuchtung. Wenn die Kamera bezüglich dieser Parameter geeignet ist, soll noch in diesem Jahr ein Testlauf im Nationalpark Bayerischer Wald starten.

Unser Ziel ist es einerseits die Praktikabilität dieser Methode im Bayerischen Wald zu testen, um somit Empfehlungen für ein bayernweites Luchsmonitoring geben zu können, andererseits erhoffen wir uns über die Individualerkennung der einzigartigen Fellfleckung von Luchsen einen weiteren Kenntnisgewinn über die Anzahl der im Gebiet lebenden Tiere. Oder aber man könnte Weibchen über mehrere Jahre „begleiten“, ihre Jungen identifizieren und eventuell klären, wohin diese abwandern.

Bereits während der Schulung erzielten wir einen kleinen Erfolg: Ein Luchs, fotografiert am 29.02.2004 im Rachel-Lusen-Gebiet des Nationalparks (Foto: siehe oben), konnte nun nachträglich als Milan identifiziert werden. Seine Erstbesenderung fand erst über ein Jahr später im März 2005 statt.

 

Ein Jahr www.luchserleben.de:

Nationalpark Bayerischer Wald überarbeitet seine erfolgreiche Website zum Luchs-Forschungsprojekt

Der Nationalpark Bayerischer Wald hat seine Website www.luchserleben.de überarbeitet. Mit neuen Videos und einem ganz neu gestalteten Bereich "Spurensuche" sollen sich ab sofort noch mehr Nutzer für die projektbegleitende Website begeistern. "In den ersten zwölf Monaten hatten wir über 55.000 Besucher auf unserer Seite und haben mehr als 270.000 Seitenaufrufe erzielt", freut sich der Leiter des Forschungsprojekts, Dr. Marco Heurich. Zum Vergleich: Das Informationszentrum Hans-Eisenmann-Haus im Nationalpark Bayerischer Wald besuchten im gleichen Zeitraum rund 130.000 Menschen. "Die Website ist für uns zu einem ganz wichtigen Tool geworden. Wir können mit www.luchserleben.de auf unsere Forschungsarbeit aufmerksam machen und für unser Anliegen werben: Die Wiederansiedelung des Luchses im Bayerischen Wald." Heurich ist auch Stolz darauf, dass die Website bei "Google"-Abfragen wie "Luchs+Reh", "Luchs+Rothirsch" und "Luchs+Telemetrie" jeweils auf den ersten Plätzen liegt. Fürs nächste Jahr wird deshalb bereits eine mehrsprachige Version der Website geplant.

Die Website www.luchserleben.de informiert über das Forschungsprojekt "Räuber-Beute-Beziehung zwischen Luchs, Reh und Rothirsch". Durch das Projekt gewinnen die Forscher neue Einblicke in das Zusammenleben der Tiere. Die Erkenntnisse werden helfen, den Luchs im deutsch-tschechischen Grenzgebiet wieder heimisch zu machen.

Zur Beobachtung der Tiere werden Halsbandsender eingesetzt, die ihre Aufenthaltsorte per GPS bestimmen und speichern. Darüber hinaus machen es Sensoren im Halsband möglich, das Verhalten der Tiere rund um die Uhr zu beobachten, ohne sie in ihrem natürlichen Umfeld stören zu müssen.

Neu und in dieser Weise einmalig ist die Form der Datenübertragung: Die Aufenthaltsorte der Tiere werden einmal pro Tag über ein im Halsband integriertes GSM-Modem wie eine SMS über Mobilfunk versendet. Parallel ist es auch möglich, dass die Forscher den Tieren eine SMS senden, um die Einstellungen des Halsbandes zu verändern. So kann beispielsweise die Abfragehäufigkeit der SMS heraufgesetzt werden.

Auf der Website www.luchserleben.de können die Besuch selbst die Fährte von Luchs, Reh und Rothirsch aufnehmen, denn der Nationalpark stellt die Bewegungsdaten der Tiere im Internet zur Verfügung. Außerdem hat der Nationalpark einige Touren aufbereitet, die exemplarisch beispielsweise eine Woche im Leben eines Luchses zeigen.

Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen den Nationalparks Bayerischer Wald und Sumava (Tschechische Republik). Die Forschungsarbeit wird durch das Bayerische Umweltministerium, das Bayerisch Landwirtschaftsministerium, die EU und den Mobilfunknetzbetreiber T-Mobile gefördert.

Hinweis an die Redaktionen: Bilder und sendefähiges Videomaterial zum Luchsprojekt können Sie honorarfrei beim Nationalpark Bayerischer Wald beziehen:
anja.stache[at]npv-bw.bayern.de.

 

Rothirsch auf neuen Wechseln

Rothirschtage 2007 im Nationalpark befassen sich mit der Zukunft unserer größten heimischen Tierart

Am kommenden Wochenende finden im Hans-Eisenmann-Haus bei Neuschönau erstmalig die „Rothirschtage“ statt. Der künftige Umgang mit dem Rotwild im Bayerischen Wald und im Böhmerwald soll Thema von Gesprächen, Vorträgen, einer Posterausstellung und eines Experten-Workshops sein. Dazu lädt die Nationalparkverwaltung alle Interessierten herzlich ein.

In den letzten Jahren hat sich viel getan im Lebensraum der bayerisch-böhmischen Hirsche, sei es durch den Wegfall des tschechisch-deutschen Grenzzaunes, durch das großflächige Absterben des alten Hochlagenwaldes oder das Auftauchen des Wolfes. Aber auch die Forschung hat sich intensiv mit den faszinierenden Tieren befasst: So hat die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising vor einigen Jahren eine Studie zur Erwartungshaltung der verschiedenen Interessengruppen durchgeführt, während die Nationalparkverwaltung in einem Aufsehen erregenden Projekt das Rotwild und sein Wanderverhalten mit moderner Satelliten-Telemetrie beobachtet.

Vor diesem Hintergrund wird zunehmend diskutiert, ob die Festlegung der Grenzen des Rothirschlebensraumes durch den Menschen und das Überwintern und Füttern der Tiere in Gattern dieser Wildart noch gerecht werden.

Eine geeignete Plattform für solche Gespräche bieten die Rothirschtage. Die Ausstellung „Geweiht, gehegt, geächtet“ des bekannten Wildbiologen Ulrich Wotschikowsky und die Vorträge von Wissenschaftlern und Praktikern am Samstagvormittag (siehe Programm im nebenstehenden Kasten) sollen zur konstruktiven Diskussion anregen. In der Mittagspause können Getränke und ein kleiner Imbiss am Stand des Landgasthofes Euler erworben werden.

Die Nationalparkverwaltung und ihre Kooperationspartner, VAUNA (Verein für Arten-, Umwelt- und Naturschutz) und die Deutsche Wildtier-Stiftung, freuen sich auf den regen Austausch von Gedanken, Ideen und Meinungen!

 

Dem Luchs auf der Spur mit Google Earth

Die "Spurensuche" für unsere besenderten Tiere wird derzeit in Kooperation mit T-Mobile und der Firma ALOQA auf Google Earth umgestellt. Somit wird es möglich sein, die besenderten Tiere des Bayerwaldes auf der Google-Earth-Oberfläche zu beobachten.


Wir bitten daher um Ihr Verständnis, dass die Daten über die Bewegungen der Tiere ab sofort nicht mehr aktualisiert werden und laden Sie herzlich ein, die neue Applikation mit den aktuellsten Informationen ab Mitte Oktober zu besuchen.

 

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel besuchte das Luchsprojekt

Am Montag, dem 16.Juli 2007, besuchte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel den Nationalpark Bayerischer Wald und ließ sich dabei unter anderem über das Luchsprojekt informieren. Begleitet wurde der Minister unter anderem vom Abteilungsleiter für Naturschutz und Landschaftspflege des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz M.Dgt. Christoph Himmighoffen.

Herr Gabriel zeigte sich sehr interessiert am Nationalpark und der Arbeit, die hier geleistet wird. Unter anderem wurde ihm das Internationale Wildniscamp am Falkenstein vorgestellt, er sah sich die Naturverjüngung der Borkenkäferflächen des Lusen an und informierte sich über das Projekt Natur-Mensch-Technik.

Abschließend besuchte er das Luchsprojekt, wo ihm die eingesetzte Technik sowie erste Ergebnisse gezeigt wurden. Das grenzüberschreitende Agieren von Luchsen aber auch von Rothirschen und Rehen erfordert eine ebenso grenzüberschreitende Wildtierforschung wie Management der beiden Nationalparkverwaltungen. Dass sah auch Herr Gabriel so. Des Weiteren erkundigte sich der über Großraubtiere in Deutschland bestens informierte Bundesumweltminister über die Probleme der Rückkehr des Luchses in unsere Region. Der Konflikt zwischen menschlichem und tierischen Jäger und die Vorbehalte gegenüber Raubtieren im Allgemeinen, z.B. das so genannte „Rotkäppchensyndrom“ beim Wolf, waren dem Minister nicht neu, aber er unterstrich die Notwendigkeit des Miteinander von Mensch und Tier.

Sehr wohlwollend wurde das Engagement von T-Mobile als Projektsponsor vom Bundesumweltminister und den ihn begleitenden Fachreferenten und Journalisten zur Kenntnis genommen.