Newsarchiv Januar bis Dezember 2009

Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!

Liebe Luchs-Freunde,

wir wollen die vorweihnachtliche Zeit und den anstehenden Jahreswechsel für einen Überblick und Rückblick über das Projekt nutzen. Luchs, Reh und Rothirsch haben uns auf Trab gehalten. Auch die vegetationskundlichen Aufnahmen und Beobachtungen, sowie die Abbildungen und Auswertungen am Computer haben Zeit und Nerven gekostet. Aber wir sind alle noch immer dabei!

Nur einer hat uns nach 38 Jahren Gesamt-Dienstzeit im Nationalpark Bayerischer Wald verlassen: Michael Wotschikowski. Ein echtes Urgestein! Im Luchs-Reh-Rothirsch Projekt hat er unter anderem unsere Karten erstellt und digitalisiert, Grafiken und Zeichnungen angefertigt. Gerade die jüngeren Mitarbeiter hat er mit Geschichten und Erfahrungen aus knapp 40 Jahren Nationalpark unterhalten und wird es hoffentlich auch weiterhin tun. Eine Vielzahl von Praktikanten hat uns dieses Jahr wieder fleißig unterstützt. Zum Teil waren sie unterwegs, um Vegetationsaufnahmen zu machen, teils waren sie den wilden Tieren auf der Spur. Ohne diese Hilfen wären unsere aufwändigen Arbeiten im Gelände, wie z.B. „Peilen gehen“ (so wird das Anpeilen besenderter Tiere mit VHF- Antenne genannt) oder die Betreuung der Fotofallenstandorte nicht möglich.

Wichtige Methode in unserem Projekt ist der Einsatz von GPS-GSM System und Radiotelemetrie. Damit können mit Senderhalsband ausgestattete Tiere (Luchs, Reh und Rotwild) geortet werden. Doch die Halsbänder müssen erstmal an die wildlebenden Tiere gebracht werden. Wir versuchen das möglichst stressfrei für Tier und Mensch zu gestalten. Und die Bemühungen lohnen sich: seit Projektbeginn wurden 150 Stück Schalenwild (Rothirsch und Reh) besendert. Derzeit sind ca. 20 Rothirsche, 45 Rehe und der Luchskuder Milan am Sender. Ende 2008 startete erstmals das Fotofallenmonitoring im Nationalpark Bayerischer Wald. Seit November diesen Jahres sind die Kameras wieder aufgestellt, um Luchse auf Nationalparkfläche fotografisch zu dokumentieren. In Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Šumava, der nun erstmalig Fotofallen aufgestellt hat, können die Luchse grenzüberschreitend beobachtet werden. Eine weitere Methode die Anzahl von Wildtieren zu schätzen wurde dieses Jahr mit Infrarotkameras und Echtbild-Kameras getestet. Das Probengebiet wurde dabei mit einem Ultraleichtflugzeug beflogen, an dessen Boden die Kameras befestigt sind. Mit den Aufnahmen soll die Anzahl des Rotwildes besser ermittelt werden können. Die Erprobung der Methode findet in verschiedenen Großschutzgebieten Deutschlands statt.

Wir haben uns dieses Jahr aber nicht nur im Nationalpark herumgetrieben. Unsere Mitarbeiter und Forscher haben sich weltweit zu unterschiedlichen Themen schlau gemacht. Von Norwegen über Schottland und Tschechien bis Kalifornien gingen die Reisen, um sich über Fang von Luchsen zu informieren, über unsere Forschungsarbeiten auf Kongressen zu berichten und Neuigkeiten aus der Wildtierforschung zu erfahren.

Zu unserer Luchs-Doktorandin hat sich nun auch eine Hirsch-Doktorandin gesellt. Sie wird sich die kommenden Jahre mit der Erforschung von Rotwild befassen.

Wir wünschen allen ein Frohes Weihnachtsfest und ein gutes, luchsuriöses Jahr 2010. Halten Sie/Haltet die PinselOhren steif und dem Luchs die Treue!

Ihr/Euer Luchs-Team

Zwei auf einen Streich

Erste Fotofallen-Aufnahmen von zwei jungen Luchsen im Bereich Falkenstein

„Erst vor zwei Wochen sind wir mit dem Aufstellen der Fotofallen fertig geworden und schon haben wir die ersten tollen Luchsaufnahmen!“, freut sich Kirsten Weingarth, Mitarbeiterin des Luchprojekts im Nationalpark Bayerischer Wald. Der erste Versuch den Luchsen mit Fotofallen im Nationalpark auf die Spur zu kommen war im vergangenen Winter Weingarths Diplomarbeit. Nun arbeitet sie weiter im Projekt und koordiniert das Fotofallen-Monitoring. Und der erste Erfolg in der Wintersaison 2009/10 hat sich bereits eingestellt: zwei Jungtiere konnten fotografisch festgehalten werden. Dabei handelt es sich vermutlich um den Nachwuchs von Felis, der Katze im Falkenstein-Gebiet.

Auf Grund der enormen Raumnutzung der Luchse sollte das Monitoring großflächig angelegt sein. Im Gesamtgebiet des Bayerischen und Böhmischen Waldes laufen derzeit mehrere Projekte die Fotofallen einsetzen um die Anzahl der Luchse und ihre Raumnutzung einzuschätzen. So werden z.B. auf Nationalparkfläche die Fotofallen seit 2008 großflächig eingesetzt. Dieses Winterhalbjahr wurde das Untersuchungsgebiet noch auf die Fläche des Nationalparks Šumava erweitert. Der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen den Forschungsgruppen sind sehr wichtig, denn Luchse machen an den Zuständigkeitsgrenzen keinen Halt.

Bildunterschrift: Mir nach! Zwei junge Luchse ließen sich bereits kurz nach Start der Fotofallen-Saison im Bereich des Falkensteins blicken und stolzierten im Gänsemarsch durchs Bild.

Es blitzt wieder im Wald - Fotofallen-Monitoring der Luchse auf großer Fläche

Das erfolgreiche Fotofallenmonitoring um den Luchsen im Nationalpark Bayerischer Wald auf die Spur zu kommen wird diesen Winter auf die Gesamtfläche der beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava erweitert.

Bereits letztes Jahr (Winter 08/09) wurde der Einsatz von Fotofallen im Nationalpark Bayerischer Wald erprobt. Damals wurden über das gesamte Nationalparkgebiet verteilt an 28 Standorten Kameras installiert, um die Anzahl der Luchse des Nationalparks abschätzen zu können und Einzeltiere zu identifizieren. Die individuelle Fleckung des Luchsfells ermöglicht es die Tiere zu unterscheiden. Das Monitoring mittels Fotofallen verlief erfolgreich: fünf erwachsene Luchse und drei Jungtiere wurden bestätigt.

Für diesen Winter war es möglich das Untersuchungsgebiet zu erweitern. In enger Zusammenarbeit und mit Unterstützung des Nationalparks Šumava werden nun auch auf tschechischer Seite Kamerastandorte ausgewählt. Ebenso werden im südöstlichen Nationalparkvorfeld in Gemeinschaftsarbeit mit dem Landesamt für Umwelt Fotofallen aufgestellt und die Bilder ausgewertet werden. Durch diese Zusammenarbeit mit den angrenzenden Schutzgebieten wird ein Beobachtungsgebiet von rund 900 km² abgedeckt. Die Wissenschaftler erhoffen sich damit eine genauere Aussage über die Anzahl der Luchse und deren Reviere in den beiden Nationalparken und deren Vorfeld.  Neben gelungenen Luchsfotos konnte in der ersten Fotofallen-Saison viele weitere Tiere wie Wildschwein, Reh und Hirsch, aber auch Hase, Igel und Marderhund abgelichtet werden. Wir werden sehen welche Tiere das Fotoshooting dieses Jahr besuchen. 

Bildunterschrift: "Obwohl die aufgestellten Fotofallen dem Monitoring der freilebenden Luchs dienen soll, lassen sich auch andere Waldbewohner, hier ein Marder, vor der Kamera blicken."

Gerissene Mufflonschafe im Nationalpark Bayerischer Wald

Die aufgenommenen Hinweise, ob es sich bei dem Riss der fünf Mufflonschafe in Weidhütte um einen Luchs-Riss handelt, sind uneinheitlich. Die Erstbegutachtung vor Ort ließ die Vermutung zu, dass es sich um den Luchs gehandelt haben könnte. Der mit einem Gutachten beauftragte Amtsveterinär der zuständigen Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA) kam nach Obduktion der getöteten Tiere zum Schluß, dass die Verletzungen nicht auf den Luchs als Verursacher hindeuten. Diplom-Biologin Sybille Wölfl, als die von der Regierung Beauftragte, hat  in Absprache mit den Trägern des Luchsfonds diese Beurteilung stärker gewichtet und geht davon aus, dass die Mufflonschafe nicht vom Luchs gerissen wurden. Diese Entscheidung ist nachvollziehbar und sollte akzeptiert werden. Nur in wirklich eindeutigen Fällen werden Entschädigungszahlungen aus dem Fond an die betroffenen Tierhalter ausbezahlt.

Die Situation der betroffenen Tierhalter ist uns bewusst. Es sind nicht nur fünf Schafe ihrer Herde getötet worden, nun ist auch der finanzielle Schaden unbeglichen. Wir bedauern das sehr. Dem Luchs ist mit diesem Vorfall gleichfalls nicht geholfen. Auch wenn er vom Amtstierarzt als „Täter“ ausgeschlossen wurde, so wird doch der anfängliche Verdacht bei vielen bestehen bleiben. Doch als „schwarzes Schaf“ soll der Luchs hier nicht stehen bleiben. Dieses faszinierende Wildtier kann nun seit vielen Jahrzehnten wieder den Bayerischen Wald durchstreifen und wir sind bemüht darum die Akzeptanz weiterhin zu fördern. Nun wird der WWF Deutschland den finanziellen Schaden der betroffenen Tierhalter ausgleichen. Die Nationalparkverwaltung wird sich mit den Tierhaltern in Verbindung setzten und sich um die notwendigen bürokratischen Schritte kümmern.

Endgültiger Bericht wird für Freitag 14.08.09 erwartet

Am Donnerstag, 06.08.09, wurden auf einer Weide im Dorf Weidhütte am Rande des Nationalparks Bayerischer Wald fünf Mufflonschafe (zwei Muttertiere, 3 Lämmer) gerissen. Die Nationalparkmitarbeiter Luchsberater Lothar Ertl, Berufsjäger Michael Penn, Revierleiter Michael Großmann, sowie der Amtstierarzt Dr. Walter Berger nahmen die Situation vor Ort auf. In dieser ersten Aufnahme wurden Kehlbisse und Luchs-Fährten auf der Fläche dokumentiert. Auf Grund der unterschiedlichen Pfotenabdrücke könnten zwei Luchse in das Gehege gelangt sein. Die für einen Luchsriss ungewöhnlich hohe Anzahl an getöteten Tieren sprechen gegen einen Luchsriss. Zwei der gerissenen Schafe, allesamt weibliche Stücke, wurden an Schulter bzw. Schlegel angefressen. Die von Donnerstag auf Freitag aufgestellten Fotofallen zeigten keinen Besuch von Luchsen am Gehege.

Im Fall eines bestätigten Luchs-Risses ergeht die Entschädigungszahlung an die Schafhalter aus dem sogenannten Luchsfond.  Diesen Fond, gegründet durch den Landesjagdverband Bayern, Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz, Naturpark Bayerischer Wald e.V., gibt es seit nunmehr zehn Jahren. Daraus werden Gelder für die durch den Luchs zu Tode gekommenen Nutztiere gezahlt. In den vergangenen Jahren wurden 23% (45 Fälle) der Meldungen (192 Begutachtungen) als tatsächliche Luchsrisse bestätigt (Stand 2008; Quelle Naturpark Bayerischer Wald).

Anders als bei den meisten dokumentierten Luchsrissen in der Schweiz oder Frankreich, und zunächst verwunderlich, wurde auf der Schafkoppel in Weidhütte mehr als ein Tier gerissen. Diese Tatsache ist z.B. auch aus dem Harz bekannt. Grund hierfür könnten die relativ kleine Fläche der Weiden sein. Die Schafe können dann nicht schnell und weit genug flüchten. Der Luchs hat die einfache Gelegenheit mehrere Tiere zu töten.

Ansprechpartner für Luchsbeobachtungen, Luchsrisse oder andere Luchshinweise im Nationalpark Bayerischer Wald ist Horst Burghart, Tel.: 01752622720.

Fotofallen Projekt erfolgreich beendet – für´s Erste

Das seit November 2008 laufende Fotofallen-Monitoring der Luchse - und auch die damit verbundene Diplomarbeit von Kirsten Weingarth (Uni Freiburg) - ist abgeschlossen. Die Fotofallen sind abgebaut und die Diplomarbeit abgegeben und sehr gut beurteilt. Und nun?

Viele für das Monitoring interessante Bilder wurden aufgenommen, weitere witzige und teils überraschende Fotos entstanden. So kreuzte z.B. ein Marderhund das Blitzlicht der Kameras, ein Igel zeigte Bein und huschte vorbei und der ein oder andere Besucher untersuchte die Fotoapparate genauer…

Diese Bilder wollen wir Ihnen nicht vorenthalten und zeigen eine kleine Bildergalerie ab 31.07.09 im Innenhof des Infozentrums Hans-Eisenmann-Haus (Neuschönau).

Das Fotofallenmonitoring wird kommendes Jahr in Zusammenarbeit mit unseren Kollegen des Nationalparks Šumava weitergeführt. Da die Tiere über die Grenzen hinauswandern wird es interessant werden, welcher Luchs wie weit geht. Auch ist es so vielleicht möglich die neuen Streifgebiete der Jungtiere ausfindig zu machen und weitere noch unbekannte Pinselohren aufzuspüren.

Und nun doch noch ein paar Worte zum „Überraschungsfund Marderhund“:Am 24.04.2009 ging bei Buchenau ein Marderhund in die Fotofalle. Das Foto ist der bisher einzig gesicherte Nachweis eines Tieres im Nationalpark Bayerischen Wald. Bereits früher wurden Pfotenabdrücke eines mutmaßlichen Marderhundes gefunden. Diese Vermutung konnte nun bestätigt werden. Ursprünglich kommt der Marderhund aus Regionen in Sibirien, China und Japan. Zur Pelzzucht wurde er in andere Länder eingeführt und verbreitete sich von dort aus. Seit den 1960er Jahren sind diese Raubtiere auch in Deutschland, v.a. in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, zu finden. Der Marderhund ist 20-30 cm hoch, wiegt 8-9 kg und ähnelt in der Fellzeichnung dem Waschbären (Gesichtsmaske). Als Allesfresser ernährt er sich z.B. von Mäusen, Fischen, Schnecken, Nüssen und Beeren. Wir sind gespannt, ob sich im Laufe der nächsten Monate weitere Tiere nachgewiesen werden können.

Ein Platz für Tiere

Dieses Jahr wäre Prof. Dr. Bernhard Grzimek 100 Jahre alt geworden. Der studierte Tierarzt war berühmter Naturschützer, Medienmann, Querdenker. Mit „Serengeti darf nicht sterben“ wurde er weltweit bekannt. „Ein Platz für Tiere“ war seine Show im Fernsehen in der er die Bundesrepublik über Wildtiere und deren notwendigen Schutz aufklärte. Ein Platz für Tiere und Wildnis war für ihn auch in Deutschland realisierbar und so war er einer der „unbequemen“ Streiter für den ersten Deutschen Nationalpark: den Nationalpark Bayerischer Wald.

Zunächst stand Grzimek der Idee einen deutschen Nationalpark zu gründen skeptisch gegenüber.  In Deutschland gäbe es keine natürlichen Voraussetzungen mehr für einen Nationalpark, war seine Meinung. Hubert Weinzierl, damaliger Naturschutzbeauftragter an der Regierung von Niederbayern und im Präsidium des Deutschen Naturschutzringes, überzeugt Grzimek vom Gegenteil und gewann damit einen bekannten und streitfähigen Mann.

Um eine Wiederansiedlung von 300 Braunbären in das Gebiet des heutigen Nationalparks Bayerischer Wald zu realisieren ruft Grzimek öffentlich zu Spenden auf. Noch bevor das letzte Wort gesprochen wurde, verkündet er vor laufenden Kameras den Beschluss des Nationalparks. 1967 gewann er in Freyung 700 „Woidler“ für die Nationalparkidee. Er war sicherlich ein renitenter Zeitgenosse, der mit Überzeugung, Mut und Selbstbewusstsein sein Ziel verfolgte. Neben seinem Engagement in Afrika galt das eben auch der Gründung des ersten Nationalparks in Deutschland.

Nicht alle seine Wünsche konnten erfüllt werden. Braunbären und Wölfe gibt es bis heute nicht in freier Wildbahn. Nur die Luchse haben es geschafft im Bayerischen Wald wieder heimisch zu sein und sich erfolgreich fortzupflanzen.

Der Nationalpark Bayerischer Wald bietet eine weitgehend vom Menschen unbeeinflusste Wildnis und bildet zusammen mit dem Nationalpark Šumava das größte geschützte Waldgebiet Mitteleuropas. Dieses „grüne Herz“ Europas ist seit der Wiederansiedlung des europäischen Luchses in den 1980er Jahren auf tschechischer Seite des Böhmerwaldes wieder Heimat der Pinselohren. Wissenschaftler der Nationalparkverwaltungen Bayerischer Wald und Šumava erforschen gemeinsam den Lebensraum und die Ökologie des Luchses. Seit mehreren Jahren begleiten sie mit Sender-Halsbändern ausgestattete Tiere und lernen so Wichtiges über Reviergröße, Jahresrhythmus und Verhalten der Luchse. Es ist Aufgabe und Wunsch der Nationalparkverwaltung mit den Forschungsarbeiten nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse zu erlangen, sondern auch diese faszinierende Großkatze unserer Wälder einer breiten Bevölkerung vorzustellen und ihren Lebensraum zu erhalten.

„Mehr Platz für wilde Tiere“ das Motto Prof. Grzimeks ist uns auch heute noch ein wichtiges Anliegen“, so der für die Wildtierforschung zuständige Projektleiter Dr. Marco Heurich. „Denn obwohl schon vieles zum Schutz unserer Natur erreicht wurde, dürfen wir nicht in unseren Anstrengungen nachlassen, die Lebensräume bedrohter Arten vor Zerstörung zu bewahren.“

Wer wird denn gleich in die Luft gehen? Wildtierzählung durch Wärmebildbefliegung

Um die Anzahl der Wildtiere, wie Rothirsch, Reh und Wildschwein auch in schwer zugänglichen Gebieten aufnehmen zu können erprobt das Ingenieurbüro areosence derzeit den Einsatz von Ultraleichtflugzeugen im Nationalpark Bayerischer Wald.

Eine Schätzung der Anzahl frei im Nationalpark Bayerischen Wald lebender Wildtiere ist schwierig. Bisher wurde versucht über Gruppenansitze oder Losungszählung die Anzahl der Tiere zu ermitteln. Der Einsatz von Ultraleichtflugzeugen soll, kostengünstig und für die Tiere störungsarm, genauere Angaben zur Populationsgröße liefern. Es können schwer zugängliche Gebiete beflogen und die Aufnahmen der im Flugzeug integrierten Infrarotkamera und der Echtbildkamera dann am Bildschirm ausgewertet werden. Die Aussicht große und unzugängliche Bereiche zu erfassen und eine zuverlässige, wie auch nachvollziehbare Methode zu erproben ist für die Wissenschaftler Grund genug in die Luft zugehen.

Von Oktober 2008 bis November 2011 läuft dieses „Pilotprojekt“ der Firma areosence in Zusammenarbeit mit den Nationalparken Bayerischer Wald, Kellerwald-Edersee und Hainich, sowie dem Biosphärenreservat Pfälzer Wald. Die Forscher erhoffen sich durch die Befliegungen Aufschluss über die Anzahl der Wildtiere in den jeweiligen Gebieten. Die Aufnahmen der Echtbildkamera ermöglichen es gegebenenfalls sogar die Tierart zu bestimmen. Welche Flughöhe, welcher Befliegungszeitraum und welche Beleuchtung für optimale Aufnahmen nötig sind, wird in vielen verschiedenen Testflügen bestimmt werden.

Weiter Informationen finden Sie unter www.luchserleben.de/technik/

Die Luchse in der Region des Nationalparks Bayerischer Wald - Reges Interesse an der Forschung über die frei lebenden Luchse im Nationalpark Bayerischer Wald

Seit knapp 30 Jahren gibt es wieder frei lebende Luchse in der Bayerisch-Böhmischen Grenzregion. Wie viele Luchse es tatsächlich sind lässt sich nur schwer schätzen. Die scheuen Tiere sind Einzelgänger mit großen Revieren. Erstmalig wurden im Nationalpark Bayerischer Wald wilde Luchse mit fest installierten Kameras aufgenommen: bisher konnten fünf erwachsene Tiere fotografiert werden.

„Nora“ und „Milan“ sind die beiden wilden Forschungs-Luchse des Nationalparks Bayerischer Wald. Sie tragen Sender-Halsbänder und übermitteln so wichtige und interessante Informationen über ihren Lebensraum, ihr Verhalten und ihre Aufgaben im Ökosystem Wald. Neben diesen beiden Luchsen durchstreifen noch weitere Raubkatzen das Grenzgebiet Bayern-Tschechien. Ihre genaue Anzahl lässt sich nur erahnen. Dank der besonders im Schnee gut sichtbaren Trittspuren, seltenen Sichtbeobachtungen und Funden von erlegten Beutetieren konnten die Forscher auf eine Populationszahl von fünf bis acht Tieren im Nationalpark und seinem Umfeld schließen.

Seit Ende 2008 läuft ein Luchs-Monitoring der besonderen Art: die Tiere werden in ihrem natürlichen Lebensraum fotografiert. Dazu wurden so genannte Fotofallen an bestimmten Stellen über das gesamte Nationalparkgebiet verteilt aufgestellt. Dokumentiert und bestätigt durch viele Fotos können die Wissenschaftler nun sicher sagen, dass fünf erwachsene Luchse das Gebiet des Nationalparks durchstreifen. An der individuellen Färbung und Maserung des Fells lassen sich die Luchse auf den Fotos gut unterscheiden.

Die Kameras scheinen die Tiere nicht weiter zu stören. Einige konnten zum wiederholten Male fotografiert werden. Auf diese Art und Weise lässt sich auch feststellen, ob die Katzen längerfristig im Bereich des Nationalparks unterwegs sind und welche Strecken sie zurücklegen.

Der Luchs und die erfolgreiche Erforschung seines Verhaltens stoßen derzeit auf reges Interesse. Fast zehnmal so viele Besucher klickten sich Ende des Jahres auf die von T-Mobile ermöglichten Projekt-Homepage www.luchserleben.de. Auf deutsch, tschechisch und englisch können sich Luchs-Fans über Forschungsmethoden und Biologie des Luchses und seiner Beutetiere Reh und Rothirsch informieren. Auf einer Landkarte findet man die Aufenthaltsorte der besenderten Tiere. „Wir planen für dieses Jahr eine ganze Reihe von Aktionen und Diskussionsrunden, weil wir uns bewusst sind, dass hier viel Diskussionsbedarf besteht. Die Bedenken aller müssen berücksichtigt und ernst genommen werden. Nur so können wir ein gutes Miteinander von Menschen und großen Wildtieren erreichen“, sagt Projektleiter Dr. Marco Heurich.