Newsarchiv Januar-Dezember 2010

 

Das Team des Luchprojekts im Nationalpark Bayerischer Wald wünscht allen ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2011

Pinselohren, Stummelschwanz, geflecktes Fell, große Tatzen und ein „nettes“ Gesicht - im Gegensatz zu Wolf und Bär gibt es über den Luchs keine Schauermärchen. Er galt schon früher als schlaues und scharfsinniges Tier. Da wundert es nicht, dass die 1603 in Rom gegründete Institution zur Förderung von Naturwissenschaften Academia dei Lincei genannt wurde. Nun gut, als Academia die Lincei möchten wir uns nicht betrachten, aber seit vier Jahren befassen wir uns intensiv mit der Erforschung des Luchses im Bereich des Nationalparks Bayerischer Wald und sind somit doch so etwas wie eine „Luchs-Akademie“. Hier nun ein kleiner kurzer Rückbilck auf unser Projektjahr (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Das Jahr 2010 stand unter den kleinen und großen Feierlichkeiten zum 40jährigem Jubiläum des Nationalparks Bayerischer Wald. Und dabei durfte der Luchs, fast schon ein Wahrzeichen des Bayerwaldes, nicht fehlen. Schließlich gibt es nach Wiederansieldungsversuchen in den 70er Jahren, letztendlich aber Auswilderungen in den 1980er Jahren auf tschechischer Seite wieder Luchse im Grenzgebiet Bayern-Tschechien.

Neben diversen Veranstaltungen, Führungen und Vorträgen ging es natürlich auch in der Feldforschung weiter. Gemeinsam mit den tschechischen Kollegen wurden dieses Jahr in den Nationalparken Šumava und Bayerischer Wald an über 50 Standorten Fotofallen aufgestellt. Das großflächige Monitoring der Luchse im Grenzgebiet, also auch mit den, den Nationalparken vorgelagerten Schutzgebieten, hilft das Verhalten der Luchse besser kennenzulernen. Damit kann letztendlich auch der Umgang mit dem Beutegreifer Luchs diskutiert und sein Lebensraum geschützt werden. Anfang des Jahres wird ein Nationalparkbericht über die Ergebnisse des bisherigen Fotofallenmonitorings herauskommen.

Über den Sommer waren wir wieder fleißig draußen unterwegs, um den Verbiss und den damit verbundenen Einfluss von Reh und Hirsch auf die Verjüngung von Bäumen aufzunehmen. Auch für Vegetationsaufnahmen waren wir wieder unterwegs. In den Wintermonaten ist unser „Fangteam“ gefragt, um die Kastenfallen für Reh und Luchs aufzustellen und die aktiven Fallen täglich zu kontrollieren. Gefangene Tiere werden mit Sendehalsbändern ausgestattet. Mit Satellitentechnik können die Positionen der Tiere ermittelt werden. Derzeit sind sechs Luchse mit Halsbandsendern unterwegs. Leider sind drei der Sender nicht mehr aktiv bzw. vorzeitig ausgefallen. Diese Wintersaison wurden bereits 20 Rehe besendert. Die Auswertung der Daten zeigt, dass manch ein Reh auch weite Strecken zurücklegen kann – auch mal 95km! Unser „Rekordreh“ Halma wanderte tatsächlich innerhalb eines Monats von Spiegelau bis nach Tschechien und über Finsterau wieder zurück.

Das Jahr geht zu Ende und damit endet für eine unserer wichtigsten Teamkolleginnen ihre Zeit im Luchsprojekt. Anja Stache, unsere „Luchs-Lady“ der ersten Stunde muss uns leider verlassen. Von Anfang an war sie mit dabei, hat das Projekt mit aufgebaut und voller Ideen und konstruktiver Beiträge weiterentwickelt. Fit und schlagkräftig – nicht nur im Gelände, sondern auch am Computer – hat sie einen guten Teil des Projekts gestemmt. Herzlichen Dank für Deine unersetzbaren Arbeiten, liebe Anja! Auch Stephan Günther, der Projektbearbeiter "Rothirsch auf neuen Wegen" wird das Projekt verlassen. Besten Dank auch Dir, lieber Stephan, dass Du für den HIrschen gesprochen und Anregungen und Impulse in die Diskussion rund um den Umgang mit dem Rothirsch gebracht hast!

Wir wünschen allen Luchs-Freunden ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute für 2011!

Ihr/Euer Luchsteam

40 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald

Dieses Jahr feiert der Nationalpark Bayerischer Wald sein 40 jähriges Jubiläum. Der große Festakt wird am 9./10.10. in und um das Hans Eisenmann Haus, Neuschönau, stattfinden. Zu diesem Fest der Region sind alle recht herzlich eingeladen! Auch das Luchsprojekt des Nationalparks wird sich dort präsentieren und die Arbeiten mit den Tierarten Luchs, Reh und Rothirsch im Nationalpark zeigen.

Seien Sie unser Gast, kommen Sie am 9./10.10. zum Fest der Region mit vielen Infoständen und buntem Unterhaltungsprogramm (weitere Info unter http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/40_jahre/fest_der_region.htm ). Und feiern Sie mit uns 40 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald!

Ihr/Euer Luchsteam

 

Fotofallensaison 2009/2010

Diese Fotofallensaison haben die Forscherteams in den Nationalparken Bayerischer Wald und Sumava gut 100 Kameras an über 50 Standorten aufgestellt. Viele gute Aufnahmen entstanden - wenn auch nicht nur von Luchsen! Ein ausführlicher Bericht folgt, in dem wir die altbekannten und neuen Luchse vorstellen werden. Bis dahin ein Verweis auf die BILDERGALERIE mit neuen Fotofallenbildern von Luchs und Co.

 

Luchs Patrik sendet wieder

Die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald konnte den bereits 2007 besenderten Luchs erneut einfangen und mit einem neuen, funktionstüchtigen Sende-Halsband ausstatten

Im Rahmen des Luchsprojekts des Nationalparks Bayerischer Wald ist es kürzlich gelungen, den Luchs Patrik in der Nähe von Bayerisch Eisenstein in einer Kastenfalle einzufangen. Das 22 Kilogramm schwere und etwa sieben Jahre alte Tier wurde narkotisiert und auf seinen Gesundheitszustand untersucht. Das alte und mittlerweile funktionsunfähige Sender-Halsband, das ihm schon 2007 Projektmitarbeiter des Nationalparks Šumava auf tschechischer Seite angelegt hatten, wurde ausgetauscht und  der Luchs anschließend wieder in die Freiheit entlassen.

Das Besendern von Luchsen erfordert viel Geduld. Die Standorte der Kastenfallen werden sorgfältig ausgewählt und täglich von Mitarbeitern des Nationalparks Bayerischer Wald kontrolliert. Dank der Sender-Halsbänder können die Tiere über Satelliten-Technik oder mit Handantenne geortet werden, ohne sie dabei unmittelbar zu stören. Aus diesen Daten können die Wissenschaftler erkennen, wo sich der Luchs aufhält, welche Lebensräume er nutzt und wie groß sein Revier ist. Die Ortungsdaten von 2007 und die zahlreichen Aufnahmen des Tieres mittels automatischer Kameras im Winter 2009/2010 belegen, dass der Luchskuder Patrik in einem sehr großen Revier unterwegs ist, das Teile der Nationalparke Šumava und Bayerischer Wald sowie weite Bereiche rund um den Großen Arber einschließt. Auf tschechischer Seite sind ebenfalls zwei Tiere gefangen und mit einem Halsband-Sender ausgestattet worden - eine erwachsene Luchsin sowie ein halbwüchsiges Weibchen.

(PM Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald vom 23.03.2009; Bild: Dr. H. Rall)

Luchs bei Olympia

Diesmal sendet der Luchs nicht nur aus dem Bayerischen Wald, sondern auch aus Übersee die besten Grüße.

Weltweit, zumindest auf der Nordhalbkugel, gibt es Luchse. Vier verschiedene Arten streifen durch die Landschaften in Europa, Asien, Nordamerika und Kanada. In letzterem Land finden derzeit die Olympischen Winterspiele statt und eine Teilnahme des Pinselohrs darf da natürlich nicht fehlen! Ein Kanadischer Luchs (Lynx canadensis) kreuzte die Piste der alpinen Abfahrt der Männer. Damit war er nur einer von mehreren pelzigen Besuchern der Olympiade 2010. Ein paar Eindrücke finden Sie unter: http://olympia.ard.de/

Und was macht der Luchs (Lynx lynx) derzeit bei uns? Langsam beginnt die Ranzzeit (Februar/März) und die freiheitsliebenden Einzelgänger suchen sich einen Partner. Mit lautem Luchs-Maunzen machen die Tiere auf sich aufmerksam. Bei Luchsen spricht man von induzierter Ovulation – das heißt vereinfacht: der Kater muss aktiv werden, um bei der Katze einen Eisprung auszulösen. In den Monaten Mai/Juni werden die Kätzchen geboren. Mit ca. zwei (Weibchen) bzw. drei Jahren (Männchen) werden sie geschlechtsreif .

Dank der Fotofallen-Aufnahmen wissen wir, dass Nora letztes Jahr (2009/2010) drei Junge hatte, Felis hat zwei Junge großgezogen. Spuren und Beobachtungen weisen darauf hin, dass auch Silva mit zwei Sprösslingen unterwegs ist, Beweise aus dem Fotofallenmonitoring gibt es dazu (noch) nicht.