Luchs Milan wieder auf Sendung
Dem Luchsprojekt-Team gelang es am 12.11.2008 den Luchskuder Milan wieder zu fangen und neu zu besendern.
Erstmals wurde Milan 2005 mit einem Sendehalsband ausgestattet, nachdem er in ein Luchsgehege des Nationalparks Bayerischer Wald gesprungen war. Im Jahr 2006 wurde er dann an einem Rotwildriss mit Fußschlingenfallen erneut gefangen. Nun, zwei Jahre später konnte dieser Luchs in einer Kastenfalle wieder untersucht und mit einem neuen Sendehalsband ausgestattet werden.
Gegen 7:30 am 12.11.2008 Uhr meldete der Fallensender den Fang eines Tieres. Ein Luchs mit Sendehalsband saß in der Kastenfalle. Das Fangteam und Tierarzt Dr. Markert versorgten den Luchs. Es stellte sich heraus, dass es sich um den „alten Bekannten“ Milan handelte. Zunächst wurde mit einem Blasrohr die Narkose verabreicht. Dann konnte der Luchs ohne weiteren Stress untersucht werden. Ähnlich wie bei der Gewichtsnahme vor zwei Jahren wiegt der Luchskuder 22,6 kg. Auffälligkeiten, wie Krankheit, Parasitenbefall oder größere Verletzungen konnten nicht festgestellt werden. Blut- und Haarproben wurden für genetische Untersuchungen genommen. Milan wurde mit einem neuen Sendehalsband ausgestattet. Nach den zügigen Untersuchungen wurde ein Gegenmittel gegeben, um den Luchskuder bald wieder fit in die Freiheit entlassen zu können. Bis dahin stand er unter Beobachtung und konnte dann nach vier Stunden aus der Kastenfalle gelassen werden.
Er wird uns nun weitere Daten über sein Verhalten und seinen Lebensraum liefern. Schon jetzt ist bekannt: Milan durchstreift ein Revier von über 36.000 ha! Diesen Rückschluss dürfen wir aus Sichtbeobachtung im Tierfreigelände Ludwigsthal und dem Wintergatter Borova Lada (Tschechische Republik) ziehen.
LuchsErleben im Radio!
Gleich zweimal wird es in den kommenden Tagen Interessantes und Neues zu Luchs und Co. im Radio geben.
Kommenden Sonntag, 9.11.2008 um 7.20 Uhr, sendet Bayern 2 einen Beitrag über die Projektarbeit von „Dem Luchs auf der Spur“. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anja Stache informiert über den Luchs und wie man ihm auf die Spur kommt…
Das Wochenende darauf geht es mit „Radio Mikro“ in die Wildnis. „Expedition in den Urwald“ heißt diese Kindersendung in der sich Moderatoren des Bayerischen Rundfunks zusammen mit Juniorrangern des Nationalparks Bayerischer Wald auf die Suche nach wilden Tieren machen. Und wo kann man die bei uns am schnellsten finden? Ganz klar: in der Wildnis und dem „Urwald“ des Nationalparks. Ob sie tatsächlich Giraffen, Löwen und Affen gefunden haben und welche Techniken sie dazu verwendet haben hören Sie am Samstag den 15.11.2008 um 18.30 Uhr in Bayern 2.
Biodiversität im Nationalpark Bayerischer Wald
Am 06.10.2008 eröffnete der Bayerische Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Dr. Bernhard im eigenen Hause die Ausstellung „Biodiversität im Nationalpark Bayerischer Wald“. Dr. Bernhard betonte die Verantwortung Bayerns Vielfalt zu erhalten und nannte Praxisbeispiele die sich um den Schutz von Biodiversität bemühen. Nationalparkleiter Sinner führte die zahlreich erschienenen Gäste und Kollegen in die Ausstellung ein.
Bis Ende des Monats können Besucher des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz die Vielfalt des Bayerischen Waldes kennenlernen. Aus- und vorgestellt werden Luchs und Co., sowie grenzüberschreitende und weltumrundende Projekte des Nationalparks: das „Wilde Herz Europas“ (Natura 2000) als Kooperationsprojekt der Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava und der „International Youth Summit“, den junge Erwachsene aus 18 Nationen besuchten und das Thema Biodiversität weltweit diskutierten.
Die Ausstellung hindurch ist man „ Dem Luchs auf der Spur“. Tatzenabdrücke des Luchses leiten durch die Ausstellung zu den vielfältigen Themen des Nationalparks. Den Luchs erleben können Interessierte an der Infosäule Luchs: hier finden Sie Wissenswertes zum Pinselohr, über sein Verhalten und seine Gewohnheiten. Mit der Fotofalle „eingefangen“ wurde Nora, unsere besenderte Luchsdame. Diese Aufnahme ist ebenfalls in der Ausstellung, ganz störungs- und stressfrei für den Beobachter und die Beobachtete, zu sehen. …und vielleicht begibt sich der Ein oder Andere virtuell oder real auf die Spur des Luchses in freier Wildbahn im Nationalpark Bayerischer Wald.
Hirschtage in St. Oswald-Riedlhütte
(Pö) Ermutigt durch das sehr erfolgreiche Projekt „Tierisch wild“, bei dem sich die Nationalparkgemeinden jeweils eine Wildtierart als Pate auserkoren haben, veranstalten die Nationalparkgemeinde St. Oswald-Riedlhütte und die Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald gemeinsam die sog. „Hirschtage“.Eine ganze Woche lang, vom 27. September bis 5. Oktober 2008, steht dabei der „König der Wälder“ im Mittelpunkt zahlreicher Veranstaltungen mit Vorträgen, Ausstellungen, Filmbeiträgen, Sonderführungen, einem Wildmarkt und sogar Kochkursen mit Meisterköchen der Region. Die Gastronomie der Nationalparkregion wartet in dieser Zeit mit kulinarischen Schmankerln rund um den Hirsch auf.
Mit den Hirschtagen in St. Oswald-Riedlhütte soll ganz besonders die wechselhafte und bewegte Geschichte unseres größten Wildtieres beleuchtet werden. Es wurde einst durch Jagd und Wilderei im Böhmerwald fast ausgerottet, ist später durch Hege und beinahe schon abgöttischen Trophäenkult zu Beständen angewachsen, die eine naturnahe Verjüngung des Waldes nicht mehr zugelassen haben und lebt heute in einer Zeit, in der sein Lebensraum stark eingeengt und durch Verordnungstext exakt festgelegt ist. Auf den Punkt gebracht: der Rothirsch ist die einzige Wildtierart in Deutschland, die in den weit überwiegenden Teilen des Landes nicht geduldet wird.Auch im Nationalpark Bayerischer Wald, wo sich sonst die Natur vom Menschen unbeeinflusst entwickeln und entfalten darf, reduziert sich in den Wintermonaten der Lebensraum des Hirsches noch immer auf vier Wintergatter, wo er gefüttert und auch im Bestand reguliert wird.
Landrat Ludwig Lankl wird am Samstag, dem 27. September um 19.00 Uhr im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald zusammen mit dem Leiter der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Karl Friedrich Sinner, und dem Bürgermeister von St. Oswald-Riedlhütte, Helmut Vogl, die Hirschtage und die Ausstellung „Geweiht, gehegt, geächtet“ eröffnen, ehe Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung mit seinem Auftaktvortrag „Faszination Rothirsch“ einen Einblick in das Leben dieser faszinierenden Tierart und über die Arbeit der Deutschen Wildtierstiftung gibt. Präsentiert werden an diesem Abend auch die Arbeiten von Schülern der Hauptschulen St. Oswald-Riedlhütte und Zwiesel, die in Workshops unter Anleitung von Künstlern aus der Nationalparkregion entstanden sind und von der Deutschen Wildtierstiftung prämiert werden.
Im Rahmen von Vorträgen im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald stellen renommierte Experten aus Forschung, Naturschutz und Jagd vor, was für sie die Faszination der Rothirsche ausmacht (s. pdf.-file).
Spezielles Führungsprogramm
Genau zur Zeit der Hirschtage von St. Oswald befindet sich das Rotwild in seiner Paarungszeit. Dank der jagdfreien Naturzonen im Nationalpark Bayerischer Wald lässt sich dort unter fachkundiger Führung mit etwas Glück dieses einzigartige Naturschauspiel erleben. Stimmungsvolle Wanderungen durch die herbstliche Farbenpracht in der Waldwildnis des Nationalparks führen zu den meist abgelegenen Brunftplätzen. Erfahrene Nationalparkförster und Berufsjäger erzählen dabei erstaunliche Geschichten und interessante Fakten rund um den Rothirsch (Details s. pdf.-file). Anmeldung erforderlich unter 0700 00 77 66 55. Die beiden Veranstalter Gemeinde St. Oswald-Riedlhütte und Nationalparkverwaltung hoffen, mit dieser umfassenden Veranstaltung den Geschmack und Zeitgeist der einheimischen Bevölkerung und Urlaubsgäste getroffen zu haben, so dass bei entsprechendem Zuspruch auch in den nächsten Jahren Veranstaltungen in ähnlicher Art von den anderen Nationalparkgemeinden über ihre jeweiligen Patentiere stattfinden könnten.
Für die Region wäre es ganz bestimmt nicht nur eine Bereicherung des touristischen Angebotes, sondern der Start einer in die Zukunft gerichteten Festreihe, die das Zeug hätte, zur Tradition zu werden.
Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava ziehen Zwischenbilanz zu grenzüberschreitendem Luchsprojekt - gemeinsamer, mehrsprachiger Internetauftritt: www.luchserleben.de gestartet
Abschuss von Rehen in beiden Nationalparks eingestellt, um den Naturraum Bayerischer/Böhmischer Wald als natürliches Ökosystem zu erhalten
Karl-Friedrich Sinner und František Krejčí, Leiter der Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava/Tschechische Republik zogen auf einer Pressekonferenz in München eine Zwischenbilanz zu dem grenzüberschreitenden Luchsprojekt und starteten einen gemeinsamen, mehrsprachigen Internetauftritt, der die Forschungsergebnisse präsentiert. In dem Projekt „Dem Luchs auf der Spur“ werden die Räuber-Beute-Beziehungen zwischen Luchs, Reh und Rothirsch erforscht.
„Dank des Einsatzes modernster Kommunikationstechnologie und der guten Zusammenarbeit mit dem tschechischen Nationalpark Šumava konnten wir wertvolle Erkenntnisse gewinnen, die uns jetzt helfen, dem Luchs einen Lebensraum in Mitteleuropa zu erhalten“, erklärt Karl Friedrich Sinner, Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald.
Aufgrund der Besenderung der Luchse zeigte sich, dass die Streifgebiete der Tiere über 30.000 ha groß sind und somit über die Fläche beider Nationalparks hinausreicht. Um den einzigartigen Naturraum des Bayerischen und Böhmerwalds möglichst naturnah zu erhalten, wurde der Abschuss von Rehen im Bayerischen Wald 2007 für zunächst drei Jahre eingestellt. Weil der Anteil von Rothirschen an der Nahrung des Luchses größer ist als bislang angenommen, soll auch deren Bejagung eingeschränkt werden.
„Das Projekt ist ein wichtiger Schritt für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die modellhafte Abstimmung des Umgangs mit großen Wildtieren, da diese sich nicht an von Menschen gezogene Grenzen halten. Dadurch wird verdeutlicht, wie wichtig es ist, den Bayerischen Wald und den Böhmerwald als ein Ökosystem zu betrachten, das von Tschechen und Deutschen gemeinsam geschützt und weiterentwickelt werden muss. Durch die Erarbeitung von Standards in diesem Bereich kommen die Nationalparkverwaltungen ihrer Zielsetzung näher, beide Nationalparke wie ein Schutzgebiet zu pflegen“, sagt František Krejčí, Leiter des tschechischen Nationalparks Šumava.
Auf der von T-Mobile ermöglichten Internetseite www.luchserleben.de werden die Forschungsergebnisse der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hier finden sich Informationen zu den einzelnen Forschungsaspekten, über die Biologie von Luchs, Reh und Rothirsch sowie zur eingesetzten Technik. Unter dem Abschnitt „Spurensuche“ kann jeder sogar selbst nachforschen, wo sich die besenderten Tiere augenblicklich aufhalten, indem er sich die aktuellen Tierpositionen in einer Karte oder einem Luft- oder Satellitenbild darstellen lässt. Ab September 2008 steht diese Seite als grenzüberschreitendes Angebot beider Nationalparke auch in tschechischer und englischer Sprache zur Verfügung. Darüber hinaus können jetzt die Positionen der besenderten Tiere, die sich in der tschechischen Republik aufhalten, auf der Internetseite verfolgt werden. Damit steht nicht nur den Forschern, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit eine grenzüberschreitende Internetplattform zur Verfügung, die über Wildtiere im größten zusammenhängenden, streng geschützten Waldgebiet Mitteleuropas informiert. Seit dem Start des Projekts im Herbst 2006 haben bereits mehr als 100.000 Menschen diese Seiten besucht.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Miriam Traube
Tel.: 08552 / 96 00-192
Schutz von großen Wildtieren im Bayerischen Wald und auf der ganzen Welt
Umweltminister Ottmar Bernhard besucht Workshop des Luchsprojektes auf dem internationalen Jugendgipfel der Biodiversitätskonferenz in Bonn
Worin liegen die Gründe für die weltweite Gefährdung von großen Wildtieren und was können wir tun, um ihr Überleben zu sichern? Das waren die Kernfragen für einen Workshop mit jungen Erwachsenen aus vier Kontinenten im Wildniscamp am Falkenstein zur Vorbereitung des internationalen Jugendgipfels in Bonn. Dort besuchte auch der Bayerische Umweltminister Dr. Ottmar Bernhard die Präsentation der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald. Er zeigte sich dabei über die Art der Darbietung sehr beeindruckt und sparte nicht mit lobenden Worten an das gesamte Team.
Unter der Moderation von Dr. Marco Heurich und Achim Klein von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald fand im Wildniscamp am Falkenstein zunächst ein reger Informationsaustausch statt, in dem die Teilnehmer die Besonderheiten ihres Landes und die dort vorkommenden Wildtiere vorstellten. Anschießend wurden besonders erfolgreiche Schutzprojekte präsentiert und analysiert. So berichtete Saulyegul Avlyush von der erfolgreichen Wiederansiedlung des Przewalskipferdes in verschiedenen Schutzgebieten der Mongolei. Im Beitrag von Monika Shikongo aus dem Etoscha Nationalpark in Namibia stand der Schutz von Geparden im Vordergrund, deren Bestand in den letzen Jahren sehr stark zurückging. Ein Schlüssel für den Fortbestand dieser Raubkatze war die Einbindung der lokalen Dorfgemeinschaften und ihre Beteiligung bei Entscheidungen aber auch bei Einnahmen aus dem Tourismus. Ein interessantes Beispiel für den gelungenen Schutz einer Tierart konnte auch Alan Monroy Ojeda aus Mexiko beisteuern. Er zeigte wie es gelang, den Jaguar in enger Zusammenarbeit mit der dortigen Jägerschaft zu schützen. Nach weiteren Beiträgen über Pumas in Chile und Seekühe im Amazonasbecken wurden den Gästen auch die Schutzbemühungen für Luchs, Wolf, Elch und Rothirsch im Bayerischen Wald von Mitarbeitern der Nationalparkverwaltungen Bayerischer Wald und Sumava näher gebracht. Anschießend wurde die jeweilige Situation der verschiedenen Länder gründlich analysiert und Schlussfolgerungen abgeleitet. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die Probleme, mit denen die Naturschützer zu kämpfen haben, weltweit sehr ähnlich sind.
Folgende Kernaussagen konnten erarbeitet werden:
- Was den Schutz von Großtieren angeht, sind alle Länder Entwicklungsländer und können voneinander lernen.
- Für den Schutz von Großtieren reichen Schutzgebiete alleine meist nicht aus, man muss großflächig denken, auch über Ländergrenzen hinweg.
- Der Schutz von Großtieren kann langfristig gesehen nur Erfolg haben, wenn neben der Biologie der Tiere auch ökonomische und emotionale Aspekte in die Schutzkonzepte mit einfließen, also die vor Ort lebenden Menschen intensiv mit einbezogen werden.
Abschließend wurden die Ergebnisse anhand von Fallbeispielen aufgearbeitet und in Form von Infosäulen, Postern und einer Power-Point-Präsentation auf der Weltnaturschutzkonferenz zum Thema Biodiversität in Bonn der Weltöffentlichkeit vorgestellt.
Fernsehbeiträge über das Luchs-Projekt
Am Sonntag, den 18.05.08 wurde in der Sendung „W wie Wissen“ in der ARD, sowie am Montag, den 19.05.08 in der Sendung „Drehscheibe Deutschland“ im ZDF, ein Beitrag über das Luchs-Projekt im Nationalpark Bayerischer Wald gesendet.
Die beiden Fernsehteams begleiteten die Mitarbeiter des Projektes bis zu drei Tage und schauten ihnen bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter.
Der Beitrag der Sendung „Drehscheibe Deutschland“ steht als Download in der Mediathek des Senders ZDF.
ZDF "Drehscheibe Deutschland"
ARD "W wie Wissen"