Neues von Luchs, Reh und Rothirsch, 20.12.2007 Rehe
Mit dem ersten Schneefall ist auch unsere Fangsaison für Rehe eröffnet worden. An insgesamt sieben Fallenstandorten von Glashütte bis Klingenbrunn Bahnhof sind uns in dem relativ kurzen, knapp 2-monatigen Zeitraum vom 31.10. bis 20.12.2007 schon 19 Rehe (8 Böcke, 11 Geißen) in die Falle gegangen. Davon sind 16 Tiere (6 Böcke, 10 Geißen) zum ersten Mal gefangen und besendert worden. Drei Tiere trugen schon ein Halsband, welches durch ein neues ersetzt wurde. Der Bock Jakob war erstmalig im Dezember 2006, der Bock Heiner im März dieses Jahres besendert worden. Die Geiß Helene war erstmalig bereits im Januar 2006 besendert, dann im März 2007 wieder gefangen und neu besendert worden und trägt nach dem erneuten Wiederfang nun schon ihr drittes Halsband in Folge. Insbesondere die Wiederbesenderung von Tieren ist für uns eine besondere Freude, da wir dadurch Daten von einem Tier über einen längeren Zeitraum erhalten.
Nach dieser erfolgreichen Eröffnung der Fangsaison liegt die Anzahl der aktuell besenderten Tiere bei 33 (17 Böcke, 16 Geißen). Von diesen tragen 14 (10 Böcke, 4 Geißen) ein GPS-GSM Halsband und senden ihre Positionsdaten per SMS an die Nationalparkverwaltung. Ihre Aufenthaltsorte können unter der Spurensuche angeschaut werden (Anmerkung: die Aktualisierung erfolgt ab dem 24.12.). Weitere 13 Tiere (5 Böcke, 8 Geißen) tragen ein "Store-on-Board" Halsband, welches die Positionsdaten auf dem Halsband speichert. Da wir ihre Daten erst nach der Entsenderung erhalten, können diese nicht auf der Homepage dargestellt werden. Bei sechs Tieren ist das Halsband ausgefallen. Auch sie senden keine Daten mehr an die Nationalparkverwaltung, so dass auch sie nicht mehr im Internet verfolgt werden können.
Die Anzahl der seit 2004 insgesamt besenderten Rehe liegt mittlerweile bei 52 (30 Böcke, 22 Geißen). Neunzehn Tiere kamen zu Tode: Zehn wurden vom Luchs gerissen (einige davon nachweislich durch die besenderte Luchsin Nora), zwei fielen dem Straßenverkehr zum Opfer, drei wurden regulär erlegt und vier Tiere wurden zu spät gefunden, um die Todesursache festzustellen.
An dieser Stelle möchten wir uns ganz herzlich bei Helmut Penn und Lothar Ertl für ihren Einsatz beim Rehfang bedanken!
Hirsche
Die Anzahl der aktuell besenderten Rothirsche liegt bei 12 (4 Hirsche, 8 weibliche Tiere). Von diesen tragen sieben (1 Hirsch, 6 weibliche Tiere) ein GPS-GSM Halsband und senden ihre Positionsdaten per SMS an die Nationalparkverwaltung.
Auch ihre Aufenthaltsorte können auf der Spurensuche verfolgt werden (s.o.). Die restlichen fünf Halsbänder sind ausgefallen und senden keine Daten mehr an die Nationalparkverwaltung. Die Anzahl der seit 2002 besenderten Rothirsche liegt mittlerweile bei 29 (16 Hirsche, 13 weibliche Tiere). Von den nicht mehr besenderten Tieren sind vier regulär erlegt worden und ein Hirsch wurde tot aufgefunden. Er wurde von einer Luchsin mit Jungen genutzt, seine genaue Todesursache konnte allerdings nicht geklärt werden (siehe Newsarchiv von September-Dezember 2006). Die restlichen Tiere sind wieder entsendert worden.
Diese Saison sind bislang noch keine Hirsche gefangen worden, allerdings hoffen wir auf Erfolg in der neu errichteten Fanganlage im Wintergatter Riedlhäng sowie durch Narkotisierung im Wintergatter Ahornschachten.
Hier gilt unser Dank den am Fang und der Narkose beteiligten Berufsjägern Helmut und Michael Penn, Rüdiger Fischer und Ingo Brauer!
Luchse
Mit Beginn des Schneefalls sind auch wieder die ersten Luchsspurmeldungen und andere Luchshinweise bei uns eingegangen. Zum wiederholten Male fand sich ein Luchs um das Tierfreigelände I herum ein, der am Zaun entlang gelaufen war und scheinbar sogar mit den Gehegeluchsen interagiert hatte.
Das Luchsteam bedankt sich bei allen MitarbeiterInnen herzlich für die Meldungen und wünscht allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in das neue Jahr!
Graf Lennart Bernadotte-Preis für Landespflege an Dr. Marco Heurich
Im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik, darunter Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Landtagspräsidentin von Thüringen, überreichte Gräfin Sonja Bernadotte im Rahmen einer Festveranstaltung im Weißen Saal des Schlosses auf der Insel Mainau Dr. Marco Heurich von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald den Preis für Landespflege 2007.
Es handelt sich um den einzigen Preis dieser Art in Deutschland und zeichnet insbesondere hervorragende wissenschaftliche Arbeiten aus, die zum Ausgleich zwischen Technik, Wirtschaft und Natur im Sinne der 1961 beschlossenen „Grünen Charta von der Mainau“ beitragen.
Dr. Heurich erhielt den Preis für seine Dissertation "“Evaluierung und Entwicklung von Methoden zur automatisierten Erkennung von Waldstrukturen aus Daten flugzeuggetragener Fernerkundungssensoren", die von der Fakultät Wissenschaftszentrum Weihenstephan für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der Technischen Universität München mit "summa cum laude" bewertet worden ist.
„Die Ergebnisse der Arbeit“, so die Auszeichnung, „sind von großer praktischer Bedeutung, und zwar sowohl aus forstlicher wie aus naturschutzfachlicher Sicht. So bieten Laserscannerdaten auf Grund ihrer Höhenmessgenauigkeit und der Fähigkeit Waldbestände zu durchdringen zur Zeit die beste Repräsentation von Wäldern, insbesondere zur Erfassung von Waldstrukturen. Die im Rahmen der Dissertation ausgearbeiteten Modelle und Verfahren bedeuten einen großen Schritt in Richtung einer durch moderne Methoden der Fernerkundung unterstützten Waldinventur. Herr Heurich erweitert mit seiner Dissertation beträchtlich den gegenwärtigen internationalen Kenntnisstand auf diesem Gebiet.“
Prof. Dr. Dr. Ulrich Ammer von der Arbeitsgruppe Landnutzungsplanung der Technischen Universität München hielt die Laudatio und würdigte Herrn Heurich als einen vielseitigen Wissenschaftler, der sich neben seiner Arbeit im Bereich der Fernerkundung auch intensiv mit Themen aus Naturschutz und Ökologie auseinandersetzt und dazu mittlereweile über 60 Publikationen veröffentlicht hat.
Der „Lennart-Bernadotte-Preis für Landespflege“ wurde anlässlich des 80. Geburtstages von Prof. Dr. h.c. mult. Graf Lennart Bernadotte von der Lennart-Bernadotte-Stiftung, Insel Mainau, im Jahre 1989 ausgelobt und bisher 17 Mal verliehen.. Dr. Marco Heurich steht damit in einer Reihe von Preisträgern wie dem Naturwaldforscher Dr. Ludwig Albrecht, Dr. Leberecht Jeschke, Dr. Matin Flade und dem Umweltrechtler Prof. Dr. Felix Eckhard.
Herr Marco Heurich wurde 1970 in Fulda geboren. Von 1990 bis 1994 studierte er Forstwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan, von 1999 bis 2003 „Geographical Science and Systems“ in einem Fernstudium am Institut für Geographie an der Universität Salzburg. Nach abwechslungsreicher Tätigkeit vor allem in der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald hat er seit 2004 einen Lehrauftrag für „Nationalparke und Wildtierforschung“ an der Studienfakultät für Forstwirtschaft und Ressourcenmanagement der Technischen Universität München.