Frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr!
Liebe Luchsfreunde, Kollegen und Unterstützer,
vielen Dank für die vielfältige Mitarbeit und Ihr Interesse am Luchsprojekt des Nationalparks. Wir wünschen Ihnen allen ein schönes, geruhsames Weihnachtsfest und ein gutes, gesundes, glückliches neues Jahr!
Der Luchs - heute ist er zurück in unseren Wäldern! Ihr/Euere Luchsteam
Er war im ganzen Mittelalter
Für scharfen Blick der Titelhalter.
Sodaß das Sprichwort draus erwuchs
Man habe Augen wie ein Luchs.
Er läßt, man luchse rechts und Lynx,
Sich nicht mehr sehn in Deutschland rings.
Die Preußen sagen zwar, in Bayern
Würd er noch goldne Hochzeit feiern.
Die Bayern meinen ihrerseits,
Es gäb noch welche in der Schweiz.
Die Schweizer aber glauben gern,
Er haus in Preußens Forsten fern. So weist das abgefeimte Vieh
Noch immer nach sein Alibi. (Auszug aus Eugen Roth Tierleben, Raubtiere,)
Tessas Tagebuch im November
Luchs-Katze Tessa zeigt sich wieder
Seit April war Tessa nicht mehr durch eine Fotofalle gelaufen – nun zeigt sie sich das erste Mal mit Jungtier.
Dass Tessa Nachwuchs bekommen hat vermuteten die Wildtierbiologen des Nationalparks Bayerischer Wald schon seit Mai. Damals hatte sie ihr Streifgebiet merklich verkleinert, hielt sich in einem felsigen Bereich mit vielen Unterschlupfmöglichkeiten auf. Auch ihr Verhalten, das aus den Telemetriedaten ersichtlich war, wies darauf hin. Die letzten Wochen hat Tessa einige Rehe gerissen, aber auch ein Fuchs gehörte zu ihrer Beute. „Auch der erhöhte Nahrungsbedarf zeigte uns, dass sie wohl nicht alleine unterwegs ist“, so Dr. Marco Heurich, Leiter des Gesamtprojekt Luchs im Nationalpark. „Auf den derzeit laufenden Fotofallendurchgang hat das Team schon hingefiebert. Jetzt sind die Jungtiere mobil und fit und folgen ihren Müttern auf den Streifzügen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Familien dann auch durch einen Kamerastandort laufen ist groß.“
Endlich hat Tessa diesen Weg auch gefunden und lies sich am 30.10.11 in der Nacht um 3.47 Uhr unterhalb des Rachel ablichten; wenige Meter hinter hier ein Jungtier. „Das ist schon prima, Tessa und Jungtier zusammen auf einem Bild zu haben. Die Zuordnung des Jungtieres ist dann ganz eindeutig“. Kirsten Weingarth, zuständig für das Fotofallenmonitoring im Nationalpark, ist begeistert. „Und dann gibt es noch ein Bild von zwei Jungtieren an einem anderen Standort. Aber ob das auch Jungtiere von Tessa sind oder von einer anderen Luchskatze, ist noch nicht sicher. Die Fotofallenkontrolle läuft noch einige Tage, danach kann man sicherlich mehr sagen.“ Sicher ist auf alle Fälle: Tessa führt mindestens ein Jungtier mit sich.
Seit 2008 setzt das Luchsprojekt des Nationalparks Fotofallen ein, um Luchse in freier Wildbahn zu dokumentieren. Die Bilder die dabei entstehen liefern Hinweise darauf, wo welche und wie viele Luchse unterwegs sind. Da die Luchse große Reviere beanspruchen und dabei teilweise über die Grenze nach Tschechien wandern, arbeiten deutsche und tschechische Wildtierbiologen zusammen. An ca. 60 Standorten in den Nationalparken Bayerischer Wald und Šumava sind Kameras aufgestellt. Und das auch erfolgreich. 16 selbstständige Luchse konnten im Untersuchungsgebiet beidseits der Grenze im Winter 2010/ 2011 festgestellt werden. Damit kommt nur gut ein Luchs auf 100km². Zum Vergleich: im Landkreis Freyung Grafenau leben ca. 8000 Einwohner auf der gleichen Fläche „Selbstständiger Luchs“ bedeutet, dass das Tier älter als 1 Jahr ist, also unabhängig von der Mutter ist. Durch wiederholte Fotoaufnahmen über einen längeren Zeitraum können Wildtierbiologen dies herausfinden. Dafür braucht es viel Geduld und einen fast schon kriminalistischen Spürsinn. Zunächst müssen die Forscher herausfinden wo es sich lohnt Fotofallen aufzustellen. Welche Routen würde ein Luchs wählen? Welchen Pfad würde er nutzen? Ist der geeignete Standort gefunden, werden zwei Kameras installiert, eine rechts eine links, so dass das Tier bestenfalls von beiden Seiten fotografiert werden kann. „Die Fellzeichnung eines jeden Luchses ist unterschiedlich, wie ein persönlicher Fingerabdruck. Das merkt man nicht auf den ersten Blick, aber schaut man sich die Bilder genauer an ist schnell erkennbar, dass es Tiere mit großen Flecken gibt, mit vielen kleinen, mit bestimmten Mustern oder Rosetten“, erklärt Kirsten Weingarth. „Mit der Zeit bekommt man einen Blick dafür. Je besser die Qualität des Bildes, desto leichter die Auswertung.“ Trotzdem sitzen Weingarth und ihr Kollege Martin Gahbauer stundenlang vor zwei Bildschirmen, vergleichen Bilder und vergrößern Ausschnitte der Fellmusterung. Nach einer Fotofallenkontrolle, bei dem die Aufnahmen jeder Kamera im Gelände gesichtet werden, fallen viele Bilder an. Altbekannte Tiere werden oft schnell erkannt. Doch kommen unscharfe Bilder hinzu, Fotos auf denen der Luchs nur zur Hälfte aufgenommen wurde, wird es schwierig. Es wird nach dem noch so kleinen, eindeutig erkennbaren Mustern im Fell gesucht. Das kann dauern, zahlt sich aber aus. Sehr selten können die Luchse gar nicht erkannt werden. „Wir kontrollieren regelmäßig, je nach Wetterlage etwa alle vier Wochen, die Fotofallenstandorte und nehmen alle Aufnahmen zur Auswertung mit.“, sagt Weingarth. Mit den Fotofallen können auch Jungtiere aufgenommen werden. „Der Nachweis von Reproduktion, also Geburten, ist für den Fortbestand der Luchse im Bayerischen Wald sehr wichtig“, meint Dr. Marco Heurich. „So wichtig es ist, so schwierig ist es auch Nachwuchs zu bestätigen. Im Winter kann man das anhand von Fährten im Schnee. Die Fotofallen helfen dabei, sich auch weit vor dem ersten Schneefall einen Überblick zu verschaffen.“ Jungluchse können mit Hilfe von Fotofallen eindeutig identifiziert werden. Ein schönes Beispiel ist Kika, der erstmals 2008 mit seiner Mutter fotografiert wurde. Danach gab es immer wieder Aufnahmen von ihm. So hat man seinen bisherigen Lebensweg auf Bildern festhalten können. Seit Frühjahr 2011 trägt Kika auch ein Sendehalsband.
Der Bericht Grenzüberschreitendes Fotofallenmonitoring“ ist in den Läden der Nationalparkzentren und über das Bayer. Umweltministerium (Publikationen Versand) erhältlich.
Pressereise „Dem Luchs auf der Spur“
Zwei Tage lang waren Journalisten dem Luchs im Nationalpark Bayerischer Wald auf der Spur. Dabei wurde das Thema Luchs breit belechtet: der Luchs im Lebensraum Bayerischer Wald, die Erforschung des heimlichen Tieres, der weltweite Bestand der Tiere und nicht zuletzt auch die BEdeutung des Luchses als "Wappentier" des Bayerischen Waldes.
Dr. Marco Heurich, Leiter des Luchsprojekts im Nationalpark, und Dr. Janosch Arnold, Artenschutzreferent „Europäische Großsäuger“ des WWF begrüßten die Journalisten. An zwei Vortragsabenden stellten die beiden Experten den Beutegreifer Luchs und den Stand der Luchsforschung vor. Der WWF unterstützt das Projekt seit längerem finanziell und so war auch die Pressereise in Zusammenarbeit organisiert worden. Ergebnisse aus dem Fotofallenmonitoring in den Nationalparken Bayerischer Wald und Sumava wurden in einem Fotofallen-Bericht, der durch den WWF finanziert wurde, vorgestellt. Dr. Ludek Bufka, Wildtierbiologe des Nationalparks Sumava, berichtete über die grenzüberschreitenden Arbeiten der Luchsforschung gemeinsam mit Dr. Heurich.
Die Pressegruppe kam auf Exkursionen dem Luchs in freier Wildbahn näher. Praktiker aus der Feldforschung wie Horst Burghart und Kirsten Weingarth begleiteten die Journalisten auf der Spur des Luchses. Die besenderte Luchs-Katze Tessa konnte in der Nähe von Spiegelau geortet werden. „Wir werden jetzt so etwa 100m an ihr dran sein“, erklärte Burghart. So nah war wohl noch niemand der Gruppe bewusst in Luchsnähe. Durch das Dickicht war Tessa aber nicht zu erspähen. Später am Tag sollte sich noch ein Luchs zeigen. Kirsten Weingarth führte zu Fotofallenstandorten, an denen Luchse im Wald fotografiert werden. Und tatsächlich waren auf den Speicherkarten der Kameras Luchse zu entdecken. Der letzte war erst fünf Tage vor der Exkursion gegen 20.00 Uhr abgelichtet worden.
Um vielleicht doch ein Wildtier zu sichtet, nahmen die Teilnehmer der Reise auch einen Ansitz um 5.30 Uhr in Kauf. Berufsjäger Michael Penn wies jedem einen Hochsitz zu, auf dem die Beobachter den Sonnenaufgang und das Erwachen des Tages erlebten – leider aber kein großes Tier. Vögel kamen vorbei, ein Eichhörnchen und in der Ferne waren die ersten Brunftschreie der Rothirsche zu hören. Auch der Luchs ist ein Ansitzjäger, nicht jeder Ansitz und Jagdversuch ist erfolgreich, das mussten auch die Journalisten feststellen.
Bei der Fütterung im Luchsgehege des Informationszentrums Falkenstein zeigten sich dann doch noch Luchse. Rainhold Gaisbauer, zuständig für das Tierfreigelände in Ludwigsthal, stellte die Gehegetiere vor.
Der Luchs ist das Tier des Bayerischen Waldes. Viele Tourismusmagazine werben mit der attraktiven Katze. In der Tourismus-Initiative Tierisch Wild haben sich die Gemeinden Bayerisch Eisenstein und Lindberg den Luchs als Patentier gewählt. So wie die menschlichen Bewohner dieser Region sind auch die Tiere Grenzgänger. Wer könnte das besser symbolisieren als der Luchs. Heidrun Graf und Hans Richter, Leiter der Tourismusstellen, boten der Pressegruppe einen bunten Nachmittag. Der Luchspfad zwischen den Gemeinden und der Luchsspielplatz in Bayerisch Eisenstein wurden vorgestellt. Ein kurzer Abstecher auf den Urwaldsteig bei Zwieslerwaldhaus zeigte den Besuchern was Natur Natur sein lassen bedeutet.
Der Luchs – ein heimlicher Waldbewohner, eine attraktive Katze, ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems und ein Werbeträger des Bayerischen Waldes.
Bild: Kirsten Weingarth, zuständig für das Fotofallenmonitoring im Nationalpark, erklärt den Journalisten die Funktion der selbstauslösenden Kameras. (Foto: J. Adebahr)
Tessas Tagebuch im September
Grafenau. Die Luchsin Tessa, die wir durch das ganze Jahr begleiten, will nicht durch die Fotofalle gehen. Die besenderte Katze wandert durch das Gebiet zwischen Frauenau und Klingenbrunn.
Die Telemetriedaten der letzten vier Woche zeigen, dass Tessa ihr Hauptgebiet derzeit zwischen Frauenau und Klingenbrunn hat. Mitte August ist sie, mit einem kleinen Abstecher in den Nationalpark, von Frauenau Richtung Klingenbrunn gezogen. Die letzten Daten zeigen: Tessa ist wieder in die Gegend gewandert, in der sie im Mai/Juni vielleicht ihre Jungen zur Welt gebracht hat.
Fotofallen an 30 verschiedenen Orten
Obwohl Tessa auf der Untersuchungsfläche des Fotofallenmonitorings durch den Nationalpark gezogen ist, konnte bislang kein neues Bild von ihr gemacht werden. Nur durch die Telemetriedaten wissen die Forscher des Nationalparks, dass es ihr gut geht und wo sie sich aufhält. Ein Fotofallenbild wäre schön, um endlich mit Sicherheit sagen zu können, ob Tessa Jungtiere mit sich führt oder nicht.
Im Nationalpark Bayerischer Wald gibt es knapp 30 Standorte an denen Fotofallen aufgestellt sind. Der ein oder andere Wanderer wird eines dieser „Vogelhäuschen“ schon am Wegesrand entdeckt haben. Auch Luchse nutzen gerne leicht begehbare Wege und so sind einige erfolgreiche Standorte direkt an Wanderwegen. Auch wenn es Foto-Fallen heißt: gefährlich ist diese Methode für Menschen und Tiere nicht. Nur Bilder werden hier gefangen. Die Kameras lösen auf Bewegung aus. Die Aufnahmen werden digital gespeichert und können direkt vor Ort auf kleinen Auslesegeräten von den Forschern angesehen werden.
Die Auswertung, der Bildvergleich, erfolgt später sorgsam am Bildschirm im Büro des Luchsprojekts. Da die Kameras auf Luchshöhe angebracht sind, werden Wanderer lediglich bis zum Knie fotografiert. Andere Lebewesen sieht man da schon deutlicher: Hunde, Füchse, Rehe, Wildschweine… und eben auch den ein oder andere Luchs. Erst kürzlich waren Dipl. Forstwirtin Kirsten Weingarth und ihre Praktikanten wieder unterwegs und haben die Fotofallenstandorte kontrolliert. Weingarth arbeitet seit 2008 im Luchsprojekt und koordiniert das Fotofallenmonitoring.
Fellzeichnung hilft bei Identifikation
Die neue Fotofallenkontrolle hat gezeigt, dass wieder einige Luchsbilder gemacht werden konnten. Endgültig sind die Bilder noch nicht ausgewertet. Aber eines kann schon gesagt werden: Tessa war nicht dabei. Dafür aber der bekannte Luchs-Kuder Milan. Woher die Forscher das wissen? Luchse haben ganz individuelle Fellflecken, an denen man sie eindeutig erkennen kann. Diese Fellmuster werden bei jedem Luchsbild verglichen.
Tessas Tagebuch im August
Die regionale Presse begleitet die junge Luchs Katze Tessa. Monatlich gibt es so einen "Tagebucheintrag" zum Stand im Leben der Luchsin. Darin immer aktuell, was in den vergangenen Wochen wohl bei Tessa passiert ist. Zusätzlich gibt es immer Hintergrundinformationen über die Biologie und das Verhalten von Luchsen. Alle bisher erschienenen Tagebucheinträge finden Sie unter:
http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles/medien/presseberichte/2011/index.htm
Und das Notizbuch auf Bayern 2 widmete einen akustischen Eintrag dem Nationalpark Bayerischer Wald:
http://www.br-online.de/bayern2/notizbuch/bayerischer-wald-nationalpark-ue-wagen-ID1314016753708.xml
Bericht aus dem Nationalpark neu erschienen: Grenzüberschreitendes Fotofallenmonitoring - wie zählt man Luchse?
"Stück für Stück erobern Luchse Ihren alten Lebensraum auf leisen Samtpfoten zurück. Der Luchs ist nach fast einem Jahrhundert wieder im Bayerisch-Böhmischen Grenzgebirge angekommen.
Doch wie viele Luchse sind wirklich da? Welchen Einfluss haben sie auf Ihre Beutetiere? Und wie ist Ihre Verbreitung? Die Rückkehr der Luchse wirft viele Fragen zu Ihrer Lebensweise und ihren Bedürfnissen auf.
Um ein erfolgreiches Zusammenleben von Mensch und Beutegreifer zu gewährleisten, müssen Schutzstrategien und Managementpläne für diese Tierart erstellt und umgesetzt werden. Dafür sind Informationen über die Anzahl der im Gebiet lebenden Tiere, ihre Alters- und Geschlechtsverteilung, sowie deren Verbreitung in der Landschaft eine notwendige Voraussetzung.
Dieses Wildtiermonitoring darf natürlich nicht vor Landesgrenzen halt machen. Luchse besitzen sehr weitläufige Streifgebiete, die zum Teil von Deutschland bis weit nach Tschechien hinein reichen. Die heutige Luchspopulation im Bayerisch-Böhmischen Grenzgebiet geht auf Freilassungen von 17 Luchsen auf tschechischer Seite, im Bereich des heutigen Nationalparks Šumava, in den 1980er Jahren zurück. In den benachbarten Nationalparken Bayerischer Wald und Sumava, gibt es handfeste Luchshinweise durch Telemetrie und Luchsabspüraktionen im Winter. Die Wildbiologen beider Nationalparke setzten sich zum Ziel, dem Pinselohr mit einer weiteren Methode auf die Spur zu kommen...
...mit Fotofallen. "
Der Bericht ist zu beziehen über die Nationaparkläden des Bund Naturschutz in den Informationshäusern Hans Eisenmann Haus und Haus zur Wildnis, oder über: http://www.bestellen.bayern.de/application/stmug_app000003?SID=2031434009&ACTIONxSETVAL(artdtl.htm,APGxNODENR:34,AARTxNR:npvbw_natur_00022,USERxARTIKEL:artlist1.htm)=Z
Ein ganzes Wochenende rund um den Luchs - das Wildtier des Jahres 2011!
2.7. 2011 im Haus zur Wildnis (Ludwigsthal) und 3.7. 2011 in Bayerisch Eisenstein
Seit dreißig Jahres streift er wieder durch seine Heimat - der Luchs im Bayerischen Wald. Mitte des 19. Jahrhunderts galt er als ausgestorben, heute leben diese Katzen wieder in freier Wildbahn zwischen Bayern und Tschechien. Geflecktes Fell, Pinselohren und Stummelschwanz charakterisieren den Luchs, einen eleganten Jäger. weitere Informationen finden sie hier: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/aktuelles/veranstaltungen/veranstaltungen_detail.htm?eid=164234028.1040700192
Selbstverständlich sind wir mit dem Projekt auch anwesend und informieren und die Forschung und die Luchse im Bayerischen Wald. Wir freuen uns auf Ihren/Euren Besuch!
Tessas Tagebuch im Mai
Tessa: Nach Sonnenuntergang auf Achse Neue Daten der Luchsin geben Auskunft über ihr Aktivitätsverhalten in den letzten Monaten.
Die junge Luchsin Tessa, die seit März mit einem Sendehalsband ausgestattet ist, streift weiterhin durch Teile des Nationalparks und dessen Vorfeld. Seit unserem letzten Bericht Mitte April war sie vor allem zwischen Kirchdorf und Spiegelau unterwegs.
Das Sendehalsband, das Tessa trägt, ist mit viel High Tech ausgestattet. Ein GPS Empfänger (Global Positioning System) ermöglicht die genaue Positionsbestimmung des Tieres. Diese Daten über den Aufenthaltsort werden anschließend per SMS an die Nationalparkverwaltung gesendet. Darüber hinaus sind im Halsband Beschleunigungssenoren eingebaut, die messen, wie schnell Tessa sich bewegt. Alle fünf Minuten wird ein Mittelwert aus einer Vielzahl von Bewegungsdaten errechnet und im Halsband gespeichert. Diese Daten können nicht einfach an den Computer geschickt werden, da per SMS nur eine begrenzte Datenmenge versendet werden kann. Doch wie bekommen die Forscher die Daten? „ Die neuen Halsbänder haben einen entscheidenden Vorteil: Wir können die Aktivitätsdaten direkt vom Halsband über eine Funkverbindung mit einem Terminal herunterladen“, erklärt Horst Burghart Mitarbeiter des Luchsprojektes. Früher konnten die Daten erst nach Wiederfang der Tiere ausgelesen werden, was sehr aufwendig und schwierig war. Jetzt muss man nur noch den ungefähren Aufenthaltsort des Luchses kennen und die Daten bequem aus 200 m Entfernung übertragen. Das hat letzte Woche gut funktioniert und wir können nun nachvollziehen wie sich Tessa verhalten hat.
In der Grafik ist die Aktivität Tessas im Tageslauf vom Zeitpunkt des Fangs im März bis Mai zu sehen. Am aktivsten ist Tessa in der Abend- und in der Morgendämmerung. Auch Nachts ist sie unterwegs, allerdings mit Unterbrechungen. Tagsüber ruht sie sich von ihren nächtlichen Streifzügen aus. Dafür sucht sie sich möglichst ungestörte Orte, die als Tageslager bezeichnet werden.
Um den Aktivitätsverlauf näher zu verstehen, schauen wir uns exemplarisch einen Tag genauer an: Am 16.4. hat sich Tessa noch in der Nähe von Spiegelau aufgehalten. Sie ist dann 8km weit gewandert und hatte am Abend des 17.4. Erfolg bei der Jagd: in der Nähe von Kirchdorf konnte sie ein Reh reißen. Nachdem sie an dem Reh gefressen hatte, verbrachte sie den nächsten Tag in einem Tageslager etwa 2km Entfernung vom Rissort. Am nächsten Abend kehrte sie zu dem Reh zurück, um erneut zu fressen. Insgesamt suchte sie das Reh 6 Nächte auf, bis sie es vollständig „verspeist“ hatte.
Mit Hilfe der Halsbandsender und der Aktivitätsdaten können wir das Verhalten der Luchse genau und lückenlos beobachten. Jeden weiteren Tag, der auf diese Weise dokumentiert wird, trägt zu einem tieferen Verständnis dieser faszinierenden Waldkatze bei und hilft, sie und ihre Heimat auf Dauer zu schützen.
Bildunterschrift: Horst Burghart beim Herunterladen der Aktivitätsdaten. (Foto: Eisenschink)
http://www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de/aktuelles/medien/presseberichte/2011/0092_ga_tessa_auf_achse.htm
Besenderung von Luchs Kika gelungen
Der seit 2008 bekannte Luchs Kika ging am 22. März nahe dem Tierfreigelände bei Neuschönau in die Kastenfalle. Obwohl schon lange auf Fotofallen registriert, war sein Geschlecht nicht bekannt. Beim Fang an diesem Dienstag stellte sich heraus, dass Kika ein Männchen ist. Er wiegt 21,5 Kilogramm. Der zweijährige Luchs wurde narkotisiert und untersucht. Erstmals sind von ihm Haar- und Blutproben verfügbar. Kika ist der einzige der bekannten erwachsenen Luchse, über dessen Revierbildung man bisher noch keine Informationen hat. Mit dem neu angelegten Sendehalsband soll sich das jetzt ändern. Schon 2008 war er als Jungtier zusammen mit seiner Mutter, der Katze Silva, im südlichen Teil des Nationalparks fotografiert worden. Danach tauchte Kika an unterschiedlichsten Fotofallen-Standorten auf deutscher und tschechischer Seite immer wieder auf. Auf der Suche nach einem passenden Revier durchstreifte er weite Gebiete. Kika ist der erste Luchs, dessen Wanderung und Entwicklung vom Jungluchs zum ausgewachsenen Tier im Nationalpark durch Fotofallen dokumentiert werden konnte. Ob er jetzt ein Revier gefunden hat oder weiterhin auf Suche ist, kann jetzt nach dem geglückten Fang durch Telemetrie ermittelt werden.
Bildunterschrift: Der Luchskuder Kika bei seiner Freilassung. Dank des Sendehalsbandes kann man nun verfolgen wo er umherstreifen wird. (Bild: N. Wimmer)
Luchsfang geglückt!
Vor einer Woche konnte das erste Mal in dieser Fangsaison ein Luchs auf Bayerischer Seite gefangen und besendert werden. Auf tschechischer Seite wurden bereits zwei Luchse in diesem Winter mit einem Sendehalsband versehen.
Nähe der Trinkwassertalsperre Frauenau ging am 27.2. eine etwa zweijährige (geboren schätzungsweise 2009) Luchs-Katze (Gewicht 18,6kg) in die Kastenfalle. Das Erfreuliche: bereits seit Mai letzten Jahres ist die Katze, die Tessa getauft wurde, durch Fotofallenaufnahmen in diesem Gebiet bekannt. Damit, so scheint es, bewegt sie sich gerade zwischen den Streifgebieten der Katzen Nora (Lusenregion) und Felis (Falkensteinregion). Ob sie sich diese Region auch als festes Revier erobern kann ist noch nicht absehbar. „Tessa“ wurde narkotisiert und untersucht. Nach Probennahme (Blut, Haar) und Besenderung konnte die Katze wieder in Freiheit entlassen werden.
Einen zweiten Fangerfolg gab es kurz darauf am Dienstag 1.3. 2011 nahe des Wintergatters Neuhüttenwiese. Obwohl Projektmitarbeiter Martin Gahbauer zuvor an der Kastenfalle Nora und ihre zwei Jungtiere überrascht und einen gefangenen Marder in Freiheit entlassen hatte, ging noch in der gleichen Nacht eines der Jungtiere in die Falle. Das weibliche Tier wog 14,5kg und wurde nicht besendert. Schon im Oktober war ein junger Luchs nahe Finsterau gefangen worden. Das Geschlecht konnte damals nicht bestimmt werden. Auch dieser Luchs wurde nicht besendert. Wie alle anderen Fänge bekam er aber einen Chip, zur möglichen späteren Wiedererkennung, unter die Haut.
Nationalpark Bayerischer Wald mit Luchsprojekt in ZDF-Sendung „Abenteuer Wissen“
Die ZDF Sendereihe Abenteuer Wissen zeigt am 16.2.2011 um 22.15 Uhr den Beitrag „Forsthaus Deutschland - Der Wald atmet auf“. Anlässlich des internationalen Jahr der Wälder wird darin der Wald im Jahreslauf begleitet: Frühling in den Baumkronen, Sommer im Harz, Herbst im Waldumbau und Winter im Bayerischen Wald.
Zwei Tage lang war ein Filmteam auch mit den Mitarbeitern des Luchsprojekts im Nationalpark unterwegs um über das Wildtier des Jahres, den Luchs, zu berichten und wie man ihm und seinen Beutetieren Reh und Rothirsch mit Hilfe des Luchsprojektes auf die Schliche kommt.
Dabei stellt Projektleiter Dr. Marco Heurich von der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald in der Sendung auch die angewendeten Methoden vor, die Einblick in das Leben und die Verhaltensweise des sehr scheuen Wildtieres geben.
„Nicht nur das Fernsehen beschäftigt sich immer wieder mit der faszinierenden Raubkatze unserer Wälder. Viele Interessierte informieren sich auch per Internet über das Luchsprojekt, wie die Besucherzahlen auf unserer Homepage zeigen“, freut sich Heurich. „Seit Start der Seite www.luchserleben.de konnten wir mehr als eine halbe Million Gäste verzeichnen. Das ist weit mehr als wir erwartet haben.“
Luchsin Nora hat zwei Jungtiere
Die Fotofallen des Luchsprojekts im Nationalpark Bayerischer Wald bestätigen Nachwuchs bei den freilebenden Luchsen
Nora, die besenderte Luchsin, ist diesen Winter mit zwei Jungtieren unterwegs. „ Letztes Jahr konnten wir bestätigen, dass Nora drei Luchse großzieht, dieses Jahr auch wieder zwei“, freut sich Horst Burghart, Mitarbeiter des Luchsprojekt im Nationalpark Bayerischer Wald. Er war auch an den Feiertagen unterwegs, um die Fotofallen-Standorte zu kontrollieren.
Der Nachwuchs, geboren im Sommer 2010, wurde am Weihnachtstag mit einer Fotofalle abgelichtet. Gemeinsam mit ihrer Mutter Nora wurden die beiden auch an einem gerissenen Reh im Nationalpark aufgenommen. Hierfür wurde extra eine Infrarot-Kamera aufgestellt, um zu beobachten wer dort unterwegs ist.
Nora, die auf neun Jahre geschätzt wird, hat die letzten Jahre immer wieder erfolgreich Junge großgezogen. Die Jungendsterblichkeit beträgt bei Luchsen in den ersten Lebensjahren bis zu 80%. Wie viele Luchse also tatsächlich stark genug sind sich ein eigenes Revier zu suchen, ist nicht sicher. Dennoch ist es schön zu sehen, dass sich die Bayerwald Luchse wohl fühlen und vermehren.
Das Informationszentrum Hans Eisenmann Haus eröffnet dieses Wochenende 14./15./16.01.2011 nach Umbau wieder! Nähere Information dazu unter: http://www.nationalpark-bayerischer-wald.de/besucherinfo/besuchereinrichtungen/infozentrum_heh/index.htm Auch das Luchsprojekt wird mit dabei sein und am 15.1. und 16.1.2011 ab jeweils 14.00 Uhr in der Forscher-Lounge Frage und Antwort stehen. Wir freuen uns über zahlreichen Besuch!