Luchse können auf verschiedene Arten gefangen werden
Der "Selbstfang"
Die eleganteste Fangart ist uns im März 2005 gelungen, als sich der Kater Milan im Luchsgehege des Nationalparks selbst gefangen hat. Er war während der Paarungszeit eines Nachts in das Gehege gesprungen, vermutlich um dem dort ansässigen Weibchen einen Besuch abzustatten. Nach der Betäubung mit einem Blasrohr konnte er am 07.03.2005 mit einem GPS-GSM Sender ausgestattet werden. Im März 2012 sprang ein junger Kuder in das gleiche Gehege. Er wurde narkotisiert und untersucht. Er bekam einen Chip unter die Haut, um ihn bei einem eventuellen Wiederfang zu identifizieren. Er bekam kein Sendehalsband. Mehr zu diesem Besuch finden Sie hier
Fang mit Kastenfalle
Fangsaison für alle Tierarten (Luchs, Reh, Rothirsch) ist der Winter. Im Luchprojekt der beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Sumava werden die Luchse in Kastenfallen gefangen. Diese sind 2,5 m lang und 1m x 1m hoch. Als Auslösemechanismus wurde ein Stolperdraht gewählt. Die Fallen werden an von Luchsen häufig genutzten Stellen aufgestellt und die erste Zeit nicht fängisch gestellt, damit die Tiere sich daran gewöhnen können. Bei der Holzverkleidung wurde darauf geachtet, dass im Innenraum keinerlei Verletzungsmöglichkeit besteht. Ritzen, in denen der Luchs mit Zähnen und Krallen einhaken und sie sich verletzen könnte, wurden verschlossen. Außerdem ist die Innenverkleidung glattwandig, um Schürfwunden zu verhindern. Durch diese Maßnahmen sind die Fallen gleichzeitig abgedunkelt, was die Tiere schnell beruhigt. Mit Auslösen der Fallen geht automatisch eine SMS an Projektmitarbeiter. So kann ein Team schnell vor Ort sein. Die Tiere werden narkotisiert und untersucht. Dabei ist immer ein Tierarzt anwesend. Nach der Besenderung bekommen die Luchse eine Spritze, um wieder schnell auf die Beine zu kommen. Sie bleiben in der Kastenfalle so lange unter Beobachtung bis sie wieder vollkommen fit sind.
Fang mit Schlingenfallen
Im Nationalpark Bayerischen Wald wurden weitere Luchse mit sogenannten Schlingenfallen gefangen. Bei dieser von KORA (Koordinierte Forschungsprojekte zur Erhaltung und zum Management der Raubtiere in der Schweiz) entwickelten Technik macht man sich zunutze, dass ein Luchs i.d.R. bis zu sieben Tage an einem Riss frisst. Sobald ein Luchsriss gefunden wird, rückt das Forscherteam aus, um bis zu vier Schlingenfallen rund um den Riss zu positionieren. Die Fallen müssen mit Blättern und Zweigen gut getarnt werden und der Zugang zu dem Beutetier muss so eingeengt werden, dass der Luchs möglichst nicht um die Fallen herum laufen kann. Ist ein Luchs in die Falle getreten, kann er aus einigen Metern Distanz mit einem Blasrohr betäubt, auf seinen Gesundheitszustand (Gewicht, Zähne, Fell) untersucht und besendert werden. Das Luchsprojekt des Nationalparks Bayerischer Wald nutzt diese Methode nicht mehr.